SCHWARZER VOGEL ROTER HIMMEL im Leipziger LOFFT
Die Rezension von der Premiere am 23.06.2011
Zum Nachlesen
Schwarzer Vogel Roter Himmel ist Tanztheater angereichert mit Sprache und einer Prise Gesang. Darin geht es, wie es die MacherInnen des Stücks selbst ausdrücken, um das Kernproblem der Kommunikation zwischen Mann und Frau. Die Frau tanzt und der Mann nutzt die Sprache zur Kommunikation. Doch Tanz und Bewegungstheater ist wohl mehr als jedes andere Theaterform dafür prädestiniert weitreichende Möglichkeiten der eigenen Interpretation zu eröffnen von dem, was man sieht. Und so ist die Geschichte, die ich im Stück sehe: die Geschichte einer Trennung.
Am Anfang sind da Mann und Frau. Laute Musik, er gesteht ihr seine Liebe mittels zitieren der immer gleichen Phrasen. Sie tanzt, bewegt sich. Hört sie zu? Nein, sie kann ihn gar nicht hören. Die Musik ist zu laut. Sie zu sehr in ihrer Welt. Dann verebbt die Musik. Die beiden tanzen zusammen, dann gegeneinander, die üblichen Vorgänge in einer Beziehung. Er zitiert weitert, sie tanzt, bewegt sich. Die Worte sind Zitate aus bekannten Schlagern, das wird schnell klar. Dieser Umstand allein löst schon Heiterkeit aus, weil man diese Schlager kennt. Und es ist interessant, weil diese Schlagerphrasen in neuer Art wiedergegeben werden. Sei es geschrien, poetisch oder flehend vorgetragen. Und doch - durch die ständige Wiederholung werden die Worte irgendwann leer. Unsinnig, unnütz. Auf der anderen Seite ist dieses Sprechen zu weiten Teilen der Rhythmus des Stückes.
Die Frau tanzt, bewegt sich, gibt Impulse, die der Mann aufnimmt, zurückgibt oder verebben lässt. Dazu kommen gerade gegen Ende der Inszenierung sehr interessante Bewegungsbilder. Wie Marionetten, ja sogar schwebend, scheinen die beiden Protagonisten. Dabei bespielen sie lediglich ihre eigene Minibühne. Diese besteht aus zwei fest verbundenen Beistelltischchen. Von denen bewegen sich die Beiden nicht weg. Sie bespielen diesen knappen Quadratmeter in allen erdenklichen Positionen. Drum herum liegen Flaschen, Bierdosen und anderer Müll, der vielleicht bei einer Party anfällt. Ist dies das zu Hause der Beiden? Ihr Leben? Der Müll, der darin anfällt? Viele Möglichkeiten der Interpretation gibt es dafür. Aber es sind zu viele – insgesamt im ganzen Stück. Damit entsteht der Eindruck des Wirren und des Nicht-Durchdachten. Schwarzer Vogel Roter Himmel hätte etwas mehr Dramaturgie gebraucht und weniger Beliebigkeit. Doch das ist nur ein kleines Manko. Denn insgesamt ist diese Aufführung im Lofft, sehr gekonnt und bietet neue Eindrücke auch für Leute, die nichts mit Tanztheater anfangen können.
Besonders erwähnenswert sind die Leistungen der beiden Darsteller. Die Tänzerin Nora Schott – ihre Bewegungen, ihr Körpereinsatz und ihre Choreographie lassen den Zuschauer immer wieder neue Bewegungswelten entdecken.
Der Schauspieler Wolfgang Boos bietet den perfekten Gegenpol zu seiner Partnerin. Er verbindet Sprache und Bewegung hervorragend. Und wenn er am Ende allein auf der Minibühne steht und ihren Tanz tanzt, dann ist klar. Die Beziehung ist vorbei. Das Ende. Thomas Kirsch für radio-mensch
Weitere Aufführung unter Veranstaltungen
Weitere Rezensionen unter Menschenskind
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Schwarzer Vogel Roter Himmel ist Tanztheater angereichert mit Sprache und einer Prise Gesang. Darin geht es, wie es die MacherInnen des Stücks selbst ausdrücken, um das Kernproblem der Kommunikation zwischen Mann und Frau. Die Frau tanzt und der Mann nutzt die Sprache zur Kommunikation. Doch Tanz und Bewegungstheater ist wohl mehr als jedes andere Theaterform dafür prädestiniert weitreichende Möglichkeiten der eigenen Interpretation zu eröffnen von dem, was man sieht. Und so ist die Geschichte, die ich im Stück sehe: die Geschichte einer Trennung.
Am Anfang sind da Mann und Frau. Laute Musik, er gesteht ihr seine Liebe mittels zitieren der immer gleichen Phrasen. Sie tanzt, bewegt sich. Hört sie zu? Nein, sie kann ihn gar nicht hören. Die Musik ist zu laut. Sie zu sehr in ihrer Welt. Dann verebbt die Musik. Die beiden tanzen zusammen, dann gegeneinander, die üblichen Vorgänge in einer Beziehung. Er zitiert weitert, sie tanzt, bewegt sich. Die Worte sind Zitate aus bekannten Schlagern, das wird schnell klar. Dieser Umstand allein löst schon Heiterkeit aus, weil man diese Schlager kennt. Und es ist interessant, weil diese Schlagerphrasen in neuer Art wiedergegeben werden. Sei es geschrien, poetisch oder flehend vorgetragen. Und doch - durch die ständige Wiederholung werden die Worte irgendwann leer. Unsinnig, unnütz. Auf der anderen Seite ist dieses Sprechen zu weiten Teilen der Rhythmus des Stückes.
Die Frau tanzt, bewegt sich, gibt Impulse, die der Mann aufnimmt, zurückgibt oder verebben lässt. Dazu kommen gerade gegen Ende der Inszenierung sehr interessante Bewegungsbilder. Wie Marionetten, ja sogar schwebend, scheinen die beiden Protagonisten. Dabei bespielen sie lediglich ihre eigene Minibühne. Diese besteht aus zwei fest verbundenen Beistelltischchen. Von denen bewegen sich die Beiden nicht weg. Sie bespielen diesen knappen Quadratmeter in allen erdenklichen Positionen. Drum herum liegen Flaschen, Bierdosen und anderer Müll, der vielleicht bei einer Party anfällt. Ist dies das zu Hause der Beiden? Ihr Leben? Der Müll, der darin anfällt? Viele Möglichkeiten der Interpretation gibt es dafür. Aber es sind zu viele – insgesamt im ganzen Stück. Damit entsteht der Eindruck des Wirren und des Nicht-Durchdachten. Schwarzer Vogel Roter Himmel hätte etwas mehr Dramaturgie gebraucht und weniger Beliebigkeit. Doch das ist nur ein kleines Manko. Denn insgesamt ist diese Aufführung im Lofft, sehr gekonnt und bietet neue Eindrücke auch für Leute, die nichts mit Tanztheater anfangen können.
Besonders erwähnenswert sind die Leistungen der beiden Darsteller. Die Tänzerin Nora Schott – ihre Bewegungen, ihr Körpereinsatz und ihre Choreographie lassen den Zuschauer immer wieder neue Bewegungswelten entdecken.
Der Schauspieler Wolfgang Boos bietet den perfekten Gegenpol zu seiner Partnerin. Er verbindet Sprache und Bewegung hervorragend. Und wenn er am Ende allein auf der Minibühne steht und ihren Tanz tanzt, dann ist klar. Die Beziehung ist vorbei. Das Ende. Thomas Kirsch für radio-mensch
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