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Nosferatu - gut gemachte Theater-Konsumware im Neuen Schauspiel Leipzig.

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Die Rezension vom 07.04.2012


Zum Nachlesen
Blutsaugen in Schwarz und Weiß - Nosferatu im Neuen Schauspiel Leipzig. Es ist relativ selten, dass ein Stummfilmklassiker als Vorlage für ein Theaterstück dient. Vielleicht kommen die meisten Regisseure und Regisseurinnen einfach nicht auf die Idee. Doch Markus Czygan und Claudia Rath kamen darauf und setzten den berühmten deutschen Stummfilmklassiker Nosferatu von Friedrich Wilhelm Murnau um. Die Geschichte ist dabei natürlich etwas abgewandelt worden. Der Angestellte Jonathan Hawker reist im Auftrag des Immobilienmaklers Zork nach Transsylvanien. Er soll dort den Verkauf einer Lagerhalle an den Grafen Orlok abschließen. Die Halle befindet sich gegenüber dem Anwesen Jonathans und seiner Frau. Der Graf unterzeichnet den Vertrag, scheint aber mehr an der Fotografie der Frau Jonathans Interesse zu haben, als an der zu erwerbenden Lagerhalle. Auch ist der Graf dem Angestellten unheimlich. Und als er ihn in einem Sarg schlafend vorfindet, flieht Jonathan. Zu Hause angekommen findet er seine Frau in einer Art Trance wieder.

Auch sein Chef Zork scheint durchgedreht, denn er ruft immer wieder, dass der Meister nun komme. Jonathan nimmt die ihm zustehende Provision und verschwindet. Kurz darauf legt ein Schiff an. Darauf befinden sich nichts Lebendiges bis auf die Ratten. Sie dringen in die Stadt ein und verbreiten die Pest. Die Bürger der Stadt vermuten das Böse hinter dieser Plage. Schnell ist der Schuldige gefunden, der so verrückt sprechende Zork. Er wird von einem wütenden Mob erhangen. In dieser Zeit hat auch Graf Orlok, der mit dem Geisterschiff in der Stadt ankam, sein Quartier in der Lagerhalle bezogen. Er ruft Jonathans Frau zu sich. Sein Verlangen nach ihr ist so groß, dass er jede Vorsicht fallen lässt. Er kann nicht von ihr lassen. Muss von ihrem Blut trinken, sogar als der Tag schon anbricht. So verdampft er in der aufgehenden Sonne.

Die Inszenierung findet viele Anknüpfungspunkte an den Stummfilm. So haben fast alle Figuren, besonders Orlok, eine starke Ähnlichkeit mit den Figuren im Film. Auch die Gestiken und Mimiken scheinen teilweise 1:1 aus diesem zu stammen. Weiterhin wurde sogar eine Schwarz-Weiß Optik auf die Bühne gezaubert. Dies gelingt durch die Kostüme der Figuren, die Projektion der Hintergründe an die Bühnenwand mittels Beamer und die dezente Bühnenausleuchtung. Und natürlich gehört zu einer Stummfilmadaption auch Musik. In diesem Fall wurde allerdings nicht die originale Filmmusik genutzt, sondern Neukompositionen für Klavier, Cello und Gesang. Diese Musik harmoniert dabei immer mit dem Bühnenspiel und dient oft auch als Taktgeber für das Geschehen.

Insgesamt bilden das Agieren der Schauspielerinnen und Schauspieler, das Bühnenbild, die Beleuchtung und die Kostüme plus die Musik eine wirklich zusammenpassende Inszenierung. Doch leider nicht mehr. Das Stück schafft es nicht Denkanstöße zu bieten, Ungereimtheiten zu offenbaren oder irgendetwas zu schaffen, was über das Stück an sich hinaus reicht. Es ist Unterhaltung ohne jedes Extra. Nichts, was den Zuschauer beschäftigen muss. Um es kurz zusagen: Nosferatu ist mehr Kunsthandwerk als Kunst. Schade, denn der Stoff hätte durchaus genügend Raum, den ein oder anderen Gehirnstupser zu geben.
Thomas Kirsche für radio mensch
 
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