Start Rezensionen Theaterrezensionen Der dressierte Mann von John von Düffel nach dem gleichnamigen Bestseller von Esther Vilar im Theater am Kurfürstendamm

Der dressierte Mann von John von Düffel nach dem gleichnamigen Bestseller von Esther Vilar im Theater am Kurfürstendamm

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Die Rezension von der Premiere am 22.04.2012
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Dieses Mal hat John von Düffel also keinen Roman für die Bühne adaptiert, sondern sich das Pamphlet "Der dressierte Mann" von Esther Vilar, das in den 70er Jahren die Feministinnen provozierte, als Ausgangspunkt für eine spritzige Boulevardkomödie genommen, in die er einige ihrer Thesen mit einfädelt. Das woanders bereits erfolgreich gespielte Stück hatte nun im Theater am Kurfürstendamm Premiere. Bastian will sich bei einem romantischen Candle-Light-Dinner mit seiner Freundin Helen verloben. Dass sie sich verspätet wäre noch nicht so schlimm, läge der Grund dafür nicht in einem Jobangebot ihres gemeinsamen Chefs. Sie soll die Stelle bekommen, mit der Bastian gerechnet hatte, und künftig 10x soviel verdienen wie er. Helen weiß nicht, wie sie ihren Wunsch nach Karriere und den nach einer Hochzeit unter einen Hut bringen soll. Doch die Mütter der beiden, Konstanze Engelbrecht und Dr. Elisabeth  Schröder-Röder, zwei Frauen, deren Positionen eigentlich nicht unterschiedlicher sein können,  nehmen die Sache gemeinsam in die Hand. Das turbulente Stück hat in den Dialogen eine hohe  Pointendichte und Martin Woelffer inszenierte es deftig und temporeich.

Das Premierenpublikum hat sich glänzend amüsiert, vielleicht auch, weil es doch mit einem überlegenen Abstand auf das Spiel mit bekannten Klischees reagieren konnte. Publikumsliebling war Ursela Monn als Konstanze. Mit großer Leichtigkeit und herrlich trockenen Tönen führte sie ihr cleveres "Frauchen sein" vor. Maria Hartmann als Feministin ist zum Glück nicht in die Überzeichnung gegangen und hat der Figur eine gehörige Portion Charme verpasst.

Susanna Simon zeigt sehr differenziert und oft schöner Naivität, wie sie hin und her gerissen ist. Wenn sie zeitweise in die andere Rolle schlüpft, macht sie daraus eine große Nummer. Michael von Au ist rührend in seinem Versuch, Liebe und eigene Ansprüche irgendwie zusammenzubekommen. Mir hat auch gut gefallen, dass seine Besoffenen-Phase nicht in die grobe Klamotte abrutschte. (Abgesehen vom Regie-Einfall, mit dem Gesicht in der Torte zu landen.)

Der langanhaltende Beifall kann durchaus als Indiz dafür gewertet werden, dass das Theater am Kurfürstendamm einen neuen Renner im Programm hat.
Rainer Gerlach für radio-mensch

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