"Es ist ein Zeichen geistiger Freiheit, einen Bestseller nicht gelesen zu haben."Paul Hindemith (1895-1963)
Bernhard Streck "Sterbendes Heidentum. Die Rekonstruktion der ersten Weltreligion" Wie viel Heidentum ist in uns? Was ist eigentlich ein "Heide"? Ein "Nicht-Christ"? Heute sieht man den Anderen noch immer vor der Folie der christlich geprägten Mehrheit, die vielleicht schon längst keine Mehrheit mehr ist. Doch selbst in unserer säkularisierten und rationalisierten Welt ist viel Christliches. Und schon immer war viel Heidnisches im Christlichen. Das Buch von Bernhard Streck nähert sich dem Heidentum in einem ganz ursprünglichen Sinne, als Religion vor den großen Weltreligionen. Dieser Glaube lässt sich in Grundmuster gliedern, macht sich zunächst an den Elementen (Wasser, Erde, Himmel, Feuer) fest. Als archaischer Kosmopolitismus erscheint er so einerseits von der Natur beherrscht oder in sie integriert, andrerseits setzt er Kreativität frei, als ob ein aus den Fugen geratener Kosmos immer neu zusammenzuhalten wäre. Die eigentliche Leistung menschlicher Naturbeherrschung besteht darin, sich die Elemente anzueignen. Ausdruck dieses kreativen Prozesses ist die Kultur. In ihr setzt sich deren Schöpfer nicht nur in Beziehung zu den Übermächten, die er sich etwa als Götter vorstellt, sondern auch zu anderen Kreaturen (Pflanzen, Tiere, Menschen), reflektiert über Anfang und Ende seiner Existenz (Sexualität, Tod) und über Zwischenzustände (Traum, Zeit), gibt seinen Erkenntnissen und Gefühlen Ausdruck (Kunst). Und indem sich der Mensch seine Umwelt anverwandelt, gewinnt er die scheinbare oder tatsächliche Möglichkeit, auch Irrationales beherrschen zu können (Magie, Schamanismus, Mission). Der Autor schreitet die genannten Bereiche ab und entwirft so ein lebendiges Bild des undogmatischen Menschenglaubens im Spannungsfeld zwischen konservierender Tradition und experimenteller Vision mit Blick für das Heilige im Profanen. Dem Leser wird sich so in der Tat ein facettenreiches Weltbild entdecken. Das bezieht sich auf Ursprüngliches und Gegenwärtiges, jenseits der bekannten Schriftreligionen, die einen gänzlich neuen Typus von Weltanschauung und Geschichtssinn hervorbrachten. Dessen Überzeugungskraft und Siegeszug rechtfertigt die Rede vom "sterbenden Heidentum", dem zuzuhören aber auch für den modernen Menschen – ob bibelgläubig oder nicht – von Gewinn sein kann.
Gunter Preuß: "Die Gewalt des Sommers" In der Premierenlesung am 28.02.2012 stellte der Lychatz Verlag den neuen Roman des Leipziger Schriftstellers vor. Der dreizehnjährige Boris reist in ein Pionierferienlager auf die Ostseeinsel Rügen. Zum ersten Mal ist er so weit von zu Hause entfernt. Der Junge wächst unter schwierigen familiären Bedingungen auf: Er ist vom plötzlichen, ungeklärten Tod seiner Mutter traumatisiert. Seinen Vater hatte er bereits vor Jahren verloren, als dieser in den Westen floh. Das Leben im Lager wird weitgehend von dem jungen Pionierleiter Womacka und dem Lehrer Standke bestimmt. Boris hängt sich an den sportlichen und sicher wirkenden Pionierleiter. Lehrer Standke dagegen ist von Erwachsenen und Schülern wegen seiner Undurchschaubarkeit und Strenge, aber auch wegen seiner Informiertheit über alles und jeden gefürchtet. Beide benutzen den verunsicherten Jungen, um die politischen Schwachstellen des jeweils andern herauszufinden.
Franz Hessel: ,Heimliches Berlin" "In ,Heimliches Berlin‘ ragt ein Stück berlinischen neunzehnten Jahrhunderts in die mit ihrem Lärm und tausend gehäuften Primitivitäten erfüllte Gegenwart herein und verschmilzt mit ihr. Hessels schöne, wissende Menschendichtung ist in Romanform ein Stück heimlicher Geschichtsschreibung dieser Stadt. Ein nicht unwichtiger Teil ihres unbekannten Lebens ist bezaubernd darin aufbewahrt.", so Leo Greiner, Berliner Börsen-Courier, 1927. Der 1927 erschienene Roman „Heimliches Berlin“ zählt zu den eindrücklichsten und besten Verdichtungen der Berliner zwanziger Jahre. Er zeigt anhand von 24 Stunden im Jahr 1924 das Leben eines Freundeskreises zwischen ironischer Resignation und Aufbruchstimmung: die Gesellschaft befindet sich im wirtschaftlichen und sozialen Durcheinander, kein Geld, kein Status, nichts mehr da, außer das Gefühl, etwas Großes und Schönes erreichen zu müssen.
Norbert Marohn "Schöne Nacht noch" Kindheit war, wo ich gehorchte. Im Äußern bleiben. Ohne zu wissen, wie Jungen sich aufeinander einlassen. Ich wusste nicht einmal, dass ich mich sehnte nach Jungen. Erdmann hat sich nach München abgesetzt und bedient in der Kneipe SEGENSREICH, wo er zwischen Jungen und Stammgästen zu vermitteln lernt. Jacqueline steht hinter einer Rezeption, im Hotel ISARBLICK, wo sie sich vor allem nach Ruhe sehnt. Herr Kirschbaum bleibt der Einzige, der sich in beiden Etablissements sehen lässt. München ist eine Stadt, die gern von hinten kommt. Noch vier Tage bis zu ihrer Hochzeit. Noch drei. Noch zwei. Jacqueline will, doch will Herr Kirschbaum sie noch heiraten? Zwei Jungmünchner tauchen auf – wie schafft es Benny, alle durcheinander zu bringen? "Wollen sie München unsicher machen?"
Tomáš Sedláček: "Die Ökonomie von Gut und Böse" Warum Wirtschaft schon immer moralisch war - Die meisten unterschätzen, wie tief die Ökonomie in der Kultur verwurzelt ist. Nicht so Tomáš Sedláček. Er geht sogar noch einen Schritt weiter und behauptet: In der Wirtschaft geht es letztlich um Gut und Böse. Sedláček erschüttert unseren Begriff von Wirtschaft wie wenige vor ihm. Sein Buch ist ein faszinierender Gang durch die Welt der Ökonomie – vom Gilgamesch-Epos über das Alte Testament und Adam Smith bis zur Wall Street und zur Wirtschaftskrise. Das Buch verkaufte sich in Tschechien in kürzester Zeit über 60.000 mal und wurde schnell ein internationaler Bestseller, unter anderem bei der renommierten Oxford University Press. „Der Autor reißt durch seine Fragen Stereotype nieder. Er versucht, aus der engen Spezialisierung auszubrechen und die Grenzen zwischen den wissenschaftlichen Disziplinen zu überspannen. Václav Havel "Sedlacek legt die verschüttete Moral unter dem Zahlengewirr der Ökonomen frei."
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Bücher
Wie viel Heidentum ist in uns? Was ist eigentlich ein "Heide"? Ein "Nicht-Christ"? Heute sieht man den Anderen noch immer vor der Folie der christlich geprägten Mehrheit, die vielleicht schon längst keine Mehrheit mehr ist. Doch selbst in unserer säkularisierten und rationalisierten Welt ist viel Christliches. Und schon immer war viel Heidnisches im Christlichen. Das Buch von Bernhard Streck nähert sich dem Heidentum in einem ganz ursprünglichen Sinne, als Religion vor den großen Weltreligionen. Dieser Glaube lässt sich in Grundmuster gliedern, macht sich zunächst an den Elementen (Wasser, Erde, Himmel, Feuer) fest. Als archaischer Kosmopolitismus erscheint er so einerseits von der Natur beherrscht oder in sie integriert, andrerseits setzt er Kreativität frei, als ob ein aus den Fugen geratener Kosmos immer neu zusammenzuhalten wäre. Die eigentliche Leistung menschlicher Naturbeherrschung besteht darin, sich die Elemente anzueignen. Ausdruck dieses kreativen Prozesses ist die Kultur. In ihr setzt sich deren Schöpfer nicht nur in Beziehung zu den Übermächten, die er sich etwa als Götter vorstellt, sondern auch zu anderen Kreaturen (Pflanzen, Tiere, Menschen), reflektiert über Anfang und Ende seiner Existenz (Sexualität, Tod) und über Zwischenzustände (Traum, Zeit), gibt seinen Erkenntnissen und Gefühlen Ausdruck (Kunst). Und indem sich der Mensch seine Umwelt anverwandelt, gewinnt er die scheinbare oder tatsächliche Möglichkeit, auch Irrationales beherrschen zu können (Magie, Schamanismus, Mission). Der Autor schreitet die genannten Bereiche ab und entwirft so ein lebendiges Bild des undogmatischen Menschenglaubens im Spannungsfeld zwischen konservierender Tradition und experimenteller Vision mit Blick für das Heilige im Profanen. Dem Leser wird sich so in der Tat ein facettenreiches Weltbild entdecken. Das bezieht sich auf Ursprüngliches und Gegenwärtiges, jenseits der bekannten Schriftreligionen, die einen gänzlich neuen Typus von Weltanschauung und Geschichtssinn hervorbrachten. Dessen Überzeugungskraft und Siegeszug rechtfertigt die Rede vom "sterbenden Heidentum", dem zuzuhören aber auch für den modernen Menschen – ob bibelgläubig oder nicht – von Gewinn sein kann.
In der Premierenlesung am 28.02.2012 stellte der Lychatz Verlag den neuen Roman des Leipziger Schriftstellers vor. Der dreizehnjährige Boris reist in ein Pionierferienlager auf die Ostseeinsel Rügen. Zum ersten Mal ist er so weit von zu Hause entfernt. Der Junge wächst unter schwierigen familiären Bedingungen auf: Er ist vom plötzlichen, ungeklärten Tod seiner Mutter traumatisiert. Seinen Vater hatte er bereits vor Jahren verloren, als dieser in den Westen floh. Das Leben im Lager wird weitgehend von dem jungen Pionierleiter Womacka und dem Lehrer Standke bestimmt. Boris hängt sich an den sportlichen und sicher wirkenden Pionierleiter. Lehrer Standke dagegen ist von Erwachsenen und Schülern wegen seiner Undurchschaubarkeit und Strenge, aber auch wegen seiner Informiertheit über alles und jeden gefürchtet. Beide benutzen den verunsicherten Jungen, um die politischen Schwachstellen des jeweils andern herauszufinden.
"In ,Heimliches Berlin‘ ragt ein Stück berlinischen neunzehnten Jahrhunderts in die mit ihrem Lärm und tausend gehäuften Primitivitäten erfüllte Gegenwart herein und verschmilzt mit ihr. Hessels schöne, wissende Menschendichtung ist in Romanform ein Stück heimlicher Geschichtsschreibung dieser Stadt. Ein nicht unwichtiger Teil ihres unbekannten Lebens ist bezaubernd darin aufbewahrt.", so Leo Greiner, Berliner Börsen-Courier, 1927. Der 1927 erschienene Roman „Heimliches Berlin“ zählt zu den eindrücklichsten und besten Verdichtungen der Berliner zwanziger Jahre. Er zeigt anhand von 24 Stunden im Jahr 1924 das Leben eines Freundeskreises zwischen ironischer Resignation und Aufbruchstimmung: die Gesellschaft befindet sich im wirtschaftlichen und sozialen Durcheinander, kein Geld, kein Status, nichts mehr da, außer das Gefühl, etwas Großes und Schönes erreichen zu müssen.
Kindheit war, wo ich gehorchte. Im Äußern bleiben. Ohne zu wissen, wie Jungen sich aufeinander einlassen. Ich wusste nicht einmal, dass ich mich sehnte nach Jungen. Erdmann hat sich nach München abgesetzt und bedient in der Kneipe SEGENSREICH, wo er zwischen Jungen und Stammgästen zu vermitteln lernt. Jacqueline steht hinter einer Rezeption, im Hotel ISARBLICK, wo sie sich vor allem nach Ruhe sehnt. Herr Kirschbaum bleibt der Einzige, der sich in beiden Etablissements sehen lässt. München ist eine Stadt, die gern von hinten kommt. Noch vier Tage bis zu ihrer Hochzeit. Noch drei. Noch zwei. Jacqueline will, doch will Herr Kirschbaum sie noch heiraten? Zwei Jungmünchner tauchen auf – wie schafft es Benny, alle durcheinander zu bringen? "Wollen sie München unsicher machen?"
Warum Wirtschaft schon immer moralisch war - Die meisten unterschätzen, wie tief die Ökonomie in der Kultur verwurzelt ist. Nicht so Tomáš Sedláček. Er geht sogar noch einen Schritt weiter und behauptet: In der Wirtschaft geht es letztlich um Gut und Böse. Sedláček erschüttert unseren Begriff von Wirtschaft wie wenige vor ihm. Sein Buch ist ein faszinierender Gang durch die Welt der Ökonomie – vom Gilgamesch-Epos über das Alte Testament und Adam Smith bis zur Wall Street und zur Wirtschaftskrise. Das Buch verkaufte sich in Tschechien in kürzester Zeit über 60.000 mal und wurde schnell ein internationaler Bestseller, unter anderem bei der renommierten Oxford University Press. „Der Autor reißt durch seine Fragen Stereotype nieder. Er versucht, aus der engen Spezialisierung auszubrechen und die Grenzen zwischen den wissenschaftlichen Disziplinen zu überspannen. Václav Havel "Sedlacek legt die verschüttete Moral unter dem Zahlengewirr der Ökonomen frei."
Wenn der elende Felsbroken doch endlich auf dem Berg liegenbliebe!, rief Sisyphos und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Aber die Götter, die ihn als Strafe für seine Verschlagenheit zu dieser Tortur verurteilt hatten, ließen sich nicht in ihrer Ruhe stören, und so mußte er den Felsbroken zum hundertsten und tausendsten Mal hinaufwälzen. Armer Kerl! Wenn er heute leben würde, bekäme er als Strafe für seine Verschlagenheit ein politisches Mandat und könnte von der Spitze des Berges herab in aller Ruhe das wimmeldne Volk beim Steine wälzen beobachten, ohne auch nur einen Schweißtropfen zu vergießen.
Im Jahr 2012 feierte der weltberühmte Leipziger Thomanerchor sein 800-jähriges Jubiläum. Normalerweise trifft man die Thomaner bei Auftritten in der ganzen Welt, doch in Andreas Stammkötters neuem Roman „Goldkehlchen“ sieht man sie in einer ganz anderen Rolle: als Statisten in einem rätselhaften Kriminalfall. Der unkonventionelle Kommissar Kroll und sein stets korrekter Kollege Wiggins werden auf den Fall angesetzt und erhalten unerwartet Unterstützung von zwei jungen Thomanern, die eine wertvolle Spur finden. Andreas Stammkötter beschreibt eindrucksvoll die Atmosphäre des bekannten Knabenchors und gewährt dem Leser einen spannenden Einblick in die Welt der Musik und das Leben Johann Sebastian Bachs. Im Umfeld des Thomanerchors ereignen sich seltsame Dinge: Das Grab Johann Sebastian Bachs in der Leipziger Thomaskirche wird geöffnet, die rechte Hand des Komponisten verschwindet. Am nächsten Morgen erkranken einige Chormitglieder und die österlichen Feierlichkeiten müssen erstmals in der 800-jährigen Geschichte der Thomaner abgesagt werden. Die Kommissare Kroll und Wiggins tappen zunächst im Dunkeln, bis sich zwei junge Sänger in die Ermittlungen einmischen …
Mit der Entscheidung, ein Jahr lang an einer deutschen Schule in Kairo zu unterrichten, nimmt die Lehrerin Helga L. Schwab eine persönliche Herausforderung an und stellt sich damit dem verwirrenden Mosaik eines fremden Gesellschaftsgefüges. Inmitten dieser unbekannten Kultur muss sie von der Vorstellung westlicher Lebens- und Arbeitsweise Abstand nehmen. Spannungen zwischen den verschiedenen kulturellen und religiösen Eigenarten, der äußere Überlebenskampf im Moloch der 22-Millionen-Stadt Kairo und der innere Erfahrungsweg durch persönliche Begegnungen und eindringliche Situationen in der Stille der Wüste werden zu prägenden Erlebnissen. In Ihrem Tagebuch schildert die Autorin einen Lebensabschnitt, der zwar nur wenige Monate währt, doch in seiner Einprägsamkeit Herz und Verstand ergreift und die Sicht auf das Leben verändert.
Rezension - Abendkleid und Filzstiefel zeigt die Lebensgeschichte von Rosa Goldstein, die sich später als Jazzpianistin den Namen Peggy Stone gab und mit Jazz-Piano-Duo "Lil & Peggy Stone" berühmt wurde. Aufgewachsen in Bialystok, der Heimatstadt ihres Vaters, führte Rosa Goldstein das typische Leben einer Tochter aus gutbürgerlich-jüdischer Familie. 102 Jahre wurde Peggy Stone, deren Lebensweg verursacht durch die Oktoberrevolution 1917 in Russland, durch den Ersten und Zweiten Weltkrieg viele örtliche und persönliche Stationen ihres Lebens erforderlich machte. Es ist die ungewöhnliche Geschichte einer Künstlerin, die während des Zweiten Weltkrieges für die Rote Armee in Sibirien auftrat, die in Bukarest, Tel Aviv und New York lebte, ein Leben mit bemerkenswerten Begegnungen, geprägt von der Liebe zur Musik und Kunst und zur Liebe selbst.


