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PICTURESQUE – eine choreografische Installation von Mario Schröder im UT Connewitz Leipzig

rmlogo Die Rezension vom 25.12.2012

Das UT Connewitz feiert am zweiten Weihnachtsfeiertag seinen 100. Geburtstag und ist das älteste Lichtspielhaus der Stadt Leipzig – ein würdiger Anlass, die Reihe des Leipziger Balletts “Tanz in den Häusern der Stadt” im Union-Theater stattfinden zu lassen. Ein Film findet Ausdruck in der Produktion von bewegten Bildern, der Tanz zeigt auf Musik ausgeführte Körperbewegungen und beide Kunstformen sind sich in PICTURESQUE begegnet. Die Zuschauer saßen nicht wie üblich auf hintereinander aufgestellten Stuhlreihen, sondern verteilten sich sitzend und zum größten Teil stehend im Raum. Die Bewegungsfläche für die Akteure war auf der Bühne vor der Kinoleinwand und auf einem breiten schwarzen Streifen im Zuschauerraum, die Filme wurden direkt auf die Leinwand und auf die Seitenwand projiziert. Der Film zeigt Straße und Eingang des UT Connewitz – zu betont rhythmischer Musik (im Programmheft wird nicht mitgeteilt, welche Musik im Verlauf des ganzen Abends vertanzt wird) begegnen sich Tänzerinnen und Tänzer im Raum, begrüßen sich, nehmen Kontakt auf und vertreiben sich die Zeit. Im Film Bilder der Stadt Leipzig – im Raum ist Breakdance angesagt.

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Schuld und Sühne in der Skala Leipzig

rmlogo Die Rezension vom 10.10.2013

Die “Schuld und Sühne“-Inszenierung von Martin Laberenz setzt hautnah am Publikum ein. Mit einer Fressorgie vor geschlossenem weißem Vorhang, deren Sinn mir verborgen blieb,  wird das Triple Raskolnikow (Manolo Bertling, Edgar Eckert, Sebastian Grünewald) eingeführt. Linda Pöppel und Birgit Unterweger (Sonja Marmeladow, Ermittelnder Staatsanwalt, Raskolnikows Schwester) vervollständigen das mit viel Spaß, Leidenschaft und Energie spielende Ensemble. Allein Ingolf Müller-Beck (Swidrigailow) vermag leider nicht zu überzeugen. Dies ist schade, denn die Figur Swidrigailow ist der von Martin Laberenz am interessantesten entwickelte Charakter des dreistündigen Abends. Die zunächst bespielte Bühne ist ein white cube, die Zuschauer sehen in ihn hinein wie in einen großen Guckkasten.

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euro-scene: Compagnie Plumes dans la tete” (Trevisio) mit zwei Performances

rmlogo Die Rezension vom 10.11.2012

Die beiden Stücke sind der zweite und dritte Teil einer Trilogie der Künstlerin Silvia Costa, die in diesem Jahr die Carte blanche erhielt und vom italienische Regisseur Romeo Castellucci eingeladen wurde. “Stato di grazia” (“Stand der Gnade”) An eine Säule gelehnt ein androgyner Typ im hellen Anzug, erstarrt und mit steifen Händen bewegt sich nur der Mund und erzählt in italienischer Sprache (die Übersetzung auf einer Videowand im Hintergrund) die Geschichte seiner sexuellen Entwicklung, erzählt eine Fallstudie des Psychiaters Krafft-Ebing aus seinem Werk “Psychopathia sexualis”(1886). Tiefe Verstörung und endlose Schuldgefühle suchen nach Erlösung. Ein Herbststurm zu raumfüllender Orgelmusik fegt alle Blätter weg, ändert aber nichts. Unendliche Stille und etwas Ratlosigkeit am Ende im Zuschauerraum, als ein Scheiterhaufen aufgebaut wird, die leidende Person leidenschaftslos an die Holzscheite gelehnt wird, die Flamme immer Kleiner wird bis zum völligen Erlöschen.

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euro-scene: “En Atendant” im ausverkauften Centraltheater

rmlogo Die Rezension vom 11.11.2012

Das Tanzstück “En Atendant” der Choreographin Anne Teresa Keersmaker wurde von der Compagnie  ROSAS aus Brüssel aufgeführt. Am Anfang tritt ein Musiker an den Bühnenrand und spielt Querflöte, endlos lange lang anhaltende Töne, ein Tanzsolo löst ihn ab, die Tänzerin sucht irgendjemand oder  irgendetwas und begegnet drei Musikern (Blockflöte, Fiedel und Gesang). Über den ganzen Abend wechseln Tanzszenen mit und ohne musikalische Begleitung ab, die Musik kommt aus dem ausgehenden 14. Jahrhundert und wird dem Musikstil Ars subtilor zugeordnet. Die Kulisse ist schwarz, die Bühne bleibt dunkel bis auf einen Lichtstreifen auf der Vorbühne, die acht Tänzerinnen und Tänzer tragen überwiegend schwarze Kleidung, man konzentriert sich auf die Bewegungen, das Geschehen auf der Bühne.

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euro-scene: “Ch(ose)” (“Dinge wagen”), “Circle moods” (“Kreisstimmungen”) – zwei Tanzsoli aus Frankreich

rmlogo Die Rezension vom 08.11.2012

Das LOFFT bietet optimale Rahmenbedingungen für zwei intime Stücke für die Tänzerin Sandrine Burin aus Paris und den Tänzer Camus aus Bordeaux.
"Ch(ose)” (“Dinge wagen”): Ein gläsernes Rohr, ähnlich einer großen Vogelvoliere, hängt in der Mitte des dunklen Raumes in einem Lichtkreis. Sandrine Buring betritt die Bühne, sucht Kontakt zum Licht, bringt das Rohr in Bewegung und kriecht mit nacktem Oberkörper hinein, atmet lange und intensiv und versucht an ihrem Zustand des Gefangenseins etwas zu verändern, versucht zu fühlen, zu sprechen, zu sehen, den ganzen Körper zu bewegen. Durch die unregelmäßige Glasstärke sieht der Zuschauer teilweise verzerrte Bilder ihres Körpers. Am Ende verharrt sie in einer hilflosen Position – gefangen in und mit sich selbst.

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euro-scene: “Herbstzeitlose”

rmlogo Die Rezension vom 09.11.2012

Tanztheater des Theaters Bielefeld - Konzeption und Choreographie: Rainer Behr. Der Titel des Tanzstückes ist auch das Motto der diesjährigen euro-scene, die Herbstzeitlose, ein Krokus, der im Spätherbst, wenn alle anderen Blumen verblüht sind, aus der Erde hervorkommt und dessen Blätter sich erst im Frühjahr entwickeln. Auf der Bühne eine Müllhalde mit vielen Steinen und altem Zeug, junge Menschen in zeitgemäßer Kleidung beschreiben oder verändern einzeln, paarweise oder in Gruppen ihre Lage. Neun Tänzerinnen und Tänzer zeigen Episoden ihres Daseins, ihre Persönlichkeit, die Übergänge sind abrupt und nur über die mal weiche, mal harte Musik verständlich.

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Ein bisschen Ruhe vor dem Sturm von Theresia Walser am Berliner Renaissancetheater

rmlogo Die Rezension von der Premiere am 11.10. 2012

Es ist erstaunlich, dass Theresia Walsers Stück "Ein bisschen Ruhe vor dem Sturm" in einer Theaterstadt wie Berlin nicht schon längst auf einer Bühne gelandet ist. Immerhin handelt es sich um eine liebevolle, höchst kenntnisreiche Betrachtung von Schauspielern und dem Theaterbetrieb. Drei Mimen sollen an einer Talkshow teilnehmen, die sich mit der Darstellbarkeit Hitlers beschäftigt. Zwei haben ihn schon gespielt, der jüngste war bisher nur Goebbels. Schon die stumme Szene der drei, während der Einlass noch läuft, lässt das Publikum glucksen. Was sich dann beim Warten auf den Beginn der Talkshow zwischen ihnen abspielt, was da an Eitelkeiten, Befindlichkeiten, aber auch Unterschieden im Verständnis von Theater zu Tage tritt, ist ein wahres Feuerwerk. Noch dazu hat man wieder einmal hervorragend besetzt. Jörg Gudzuhn spielt den Star Franz Prächtel, der Hitler im großen Kinofilm auch mit Hilfe von Studien bei Parkinson-Kranken ausgelotet hat, mit der gebotenen Attitüde und gleichzeitig demonstrativer Bescheidenheit.

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"Fjodor, Hund und Kater" von Eduard Uspenski im Theater an der Parkaue Berlin

rmlogo Die Rezension von der Premiere am 14.10.2012

"Fjodor, Hund und Kater" ist ein Stück für Zuschauer von 6 Jahren an nach dem Kinderbuch von Eduard Uspenski, einem "russischen Janosch". Man muss kein Prophet sein, um vorauszusagen, dass die Inszenierung von Thomas Fiedler, der auch die Bühnenfassung besorgte, so erfolgreich wird, wie Uspenskis Bücher. Hier geht ein turbulenter, intelligenter Bilderbogen über die phantasievolle Bühne, an dem nicht nur die Kinder ihren Spaß haben. Als sicheres Signal dafür, dass die Zielgruppe wirklich erreicht wird, kann man die Tatsache werten, dass die sehr jungen Zuschauer mühelos die fast 80 Minuten ohne Pause durchhalten. Sie bekommen aber auch genug zu sehen und zu hören. Und sie können die Geschichte nachvollziehen. Fjodor, ein tierlieber Junge, möchte den Kater, der ihm zugelaufen ist, gern behalten. Als er von seiner Mutter vor die Alternative gestellt wird "Der Kater oder ich", zieht er mit ihm auf's Land in ein verlassenes Haus. Zu den beiden gesellen sich noch ein Hund und eine Dohle. Sie trotzen gemeinsam allen Schwierigkeiten und die Eltern akzeptieren schließlich die Entwicklung ihres Sohnes. Die Geschichte wird mit Tempo, ungeheurer Spiellaune und nicht zuletzt rockiger Musik erzählt.

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Das Fräulein von Scuderi, Erzählung aus dem Zeitalter Ludwigs des XIV." nach E.T.A. Hoffmann im Theater an der Parkaue

rmlogo Die Rezension von der Premiere am 18.09.2012

Heftiger Schlussbeifall der Schüler im Parkett belohnte das Ensemble der Inszenierung "Das Fräulein von Scuderi, Erzählung aus dem Zeitalter Ludwigs des XIV." im Theater an der Parkaue nach der Premiere für eine turbulente Vorstellung. Offensichtlich waren diese Besucher im Text der Geschichte von E.T.A. Hoffmann gut zu Hause und genossen den spielerischen Umgang des Bearbeiters und Regisseurs Sascha Bunges mit der Vorlage. Ich bildete mir ein, die Geschichte in ihrer Mischung aus Krimi, Liebesgeschichte und Gesellschaftssatire auch noch gut in Erinnerung zu haben, aber es war für mich doch oft etwas verwirrend. 1680 werden Pariser Edelmänner zu Opfern von Raubmorden, die Beute stammt jeweils aus der Werkstatt des gefeierten Goldschmieds Cardillac. Die Dichterin Magdaleine de Scuderi tut die Ereignisse dem König gegenüber mit einer bagatellisierenden Bemerkung ab und wird danach unfreiwillig durch ein Schmuckstück, das ihr gesandt wird, in den Fall verwickelt. Aber weder der Kriminalfall, noch die Liebesgeschichte wurden für auf der Bühne konsequent erzählt, von der Geschichte des Goldschmieds ganz zu schweigen.

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Schachnovelle von Stefan Zweig am Kleinen Theater Berlin

rmlogo Die Rezension vom 01.09. 2012

Die Aufführung der "Schachnovelle" von Stefan Zweig am Kleinen Theater Berlin, die ich in der 2. Vorstellung sah, ist in zweierlei Hinsicht verdienstvoll: Erstens hat das Theater mal wieder ein interessantes Stück für eine Berliner Erstaufführung ausgegraben. Helmut Peschina erzählt in seiner Bühnenfassung der wohl bekanntesten Erzählung Zweigs die Geschichte Dr. Bertrams sehr konzentriert. Bertram wird auf einem Transatlantikdampfer zufällig Zeuge einer Schachpartie zwischen dem amtierenden Weltmeister Czentovic und einer Gruppe von Reisenden, an deren Spitze ein Ölmagnat steht, der durch ein großzügiges Honorar die Schachkoryphäe zum Spiel überreden konnte. Bertram gelingt es, die drohende Niederlage abzuwenden und ein Remis zu erreichen. Nachdem er noch einmal gegen den Weltmeister antreten soll, erzählt er einem Mitreisenden die Geschichte, wie er zum Schach gekommen ist. Von den Nazis in Einzelhaft gesteckt, nur von einem Wärter, der kein Wort mit ihm spricht, mit Essen versorgt, steht er kurz davor zusammenzubrechen und ein Geständnis abzulegen. Da kann er aus einem Mantel im Verhörraum ein Buch stehlen. Ist er zunächst enttäuscht darüber, dass es sich um eine Sammlung von Schachpartien handelt, dringt er zunehmend in die Materie ein, lernt die Partien auswendig und spielt sie zunehmend im Kopf durch. Das führt schließlich durch die Schizophrenie, stets sich selbst besiegen zu müssen, zum Nervenzusammenbruch.

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