PICTURESQUE – eine choreografische Installation von Mario Schröder im UT Connewitz LeipzigDas UT Connewitz feiert am zweiten Weihnachtsfeiertag seinen 100. Geburtstag und ist das älteste Lichtspielhaus der Stadt Leipzig – ein würdiger Anlass, die Reihe des Leipziger Balletts “Tanz in den Häusern der Stadt” im Union-Theater stattfinden zu lassen. Ein Film findet Ausdruck in der Produktion von bewegten Bildern, der Tanz zeigt auf Musik ausgeführte Körperbewegungen und beide Kunstformen sind sich in PICTURESQUE begegnet. Die Zuschauer saßen nicht wie üblich auf hintereinander aufgestellten Stuhlreihen, sondern verteilten sich sitzend und zum größten Teil stehend im Raum. Die Bewegungsfläche für die Akteure war auf der Bühne vor der Kinoleinwand und auf einem breiten schwarzen Streifen im Zuschauerraum, die Filme wurden direkt auf die Leinwand und auf die Seitenwand projiziert. Der Film zeigt Straße und Eingang des UT Connewitz – zu betont rhythmischer Musik (im Programmheft wird nicht mitgeteilt, welche Musik im Verlauf des ganzen Abends vertanzt wird) begegnen sich Tänzerinnen und Tänzer im Raum, begrüßen sich, nehmen Kontakt auf und vertreiben sich die Zeit. Im Film Bilder der Stadt Leipzig – im Raum ist Breakdance angesagt.
Schuld und Sühne in der Skala LeipzigDie “Schuld und Sühne“-Inszenierung von Martin Laberenz setzt hautnah am Publikum ein. Mit einer Fressorgie vor geschlossenem weißem Vorhang, deren Sinn mir verborgen blieb, wird das Triple Raskolnikow (Manolo Bertling, Edgar Eckert, Sebastian Grünewald) eingeführt. Linda Pöppel und Birgit Unterweger (Sonja Marmeladow, Ermittelnder Staatsanwalt, Raskolnikows Schwester) vervollständigen das mit viel Spaß, Leidenschaft und Energie spielende Ensemble. Allein Ingolf Müller-Beck (Swidrigailow) vermag leider nicht zu überzeugen. Dies ist schade, denn die Figur Swidrigailow ist der von Martin Laberenz am interessantesten entwickelte Charakter des dreistündigen Abends. Die zunächst bespielte Bühne ist ein white cube, die Zuschauer sehen in ihn hinein wie in einen großen Guckkasten.
euro-scene: Compagnie Plumes dans la tete” (Trevisio) mit zwei PerformancesDie beiden Stücke sind der zweite und dritte Teil einer Trilogie der Künstlerin Silvia Costa, die in diesem Jahr die Carte blanche erhielt und vom italienische Regisseur Romeo Castellucci eingeladen wurde. “Stato di grazia” (“Stand der Gnade”) An eine Säule gelehnt ein androgyner Typ im hellen Anzug, erstarrt und mit steifen Händen bewegt sich nur der Mund und erzählt in italienischer Sprache (die Übersetzung auf einer Videowand im Hintergrund) die Geschichte seiner sexuellen Entwicklung, erzählt eine Fallstudie des Psychiaters Krafft-Ebing aus seinem Werk “Psychopathia sexualis”(1886). Tiefe Verstörung und endlose Schuldgefühle suchen nach Erlösung. Ein Herbststurm zu raumfüllender Orgelmusik fegt alle Blätter weg, ändert aber nichts. Unendliche Stille und etwas Ratlosigkeit am Ende im Zuschauerraum, als ein Scheiterhaufen aufgebaut wird, die leidende Person leidenschaftslos an die Holzscheite gelehnt wird, die Flamme immer Kleiner wird bis zum völligen Erlöschen.
euro-scene: “En Atendant” im ausverkauften CentraltheaterDas Tanzstück “En Atendant” der Choreographin Anne Teresa Keersmaker wurde von der Compagnie ROSAS aus Brüssel aufgeführt. Am Anfang tritt ein Musiker an den Bühnenrand und spielt Querflöte, endlos lange lang anhaltende Töne, ein Tanzsolo löst ihn ab, die Tänzerin sucht irgendjemand oder irgendetwas und begegnet drei Musikern (Blockflöte, Fiedel und Gesang). Über den ganzen Abend wechseln Tanzszenen mit und ohne musikalische Begleitung ab, die Musik kommt aus dem ausgehenden 14. Jahrhundert und wird dem Musikstil Ars subtilor zugeordnet. Die Kulisse ist schwarz, die Bühne bleibt dunkel bis auf einen Lichtstreifen auf der Vorbühne, die acht Tänzerinnen und Tänzer tragen überwiegend schwarze Kleidung, man konzentriert sich auf die Bewegungen, das Geschehen auf der Bühne.
euro-scene: “Ch(ose)” (“Dinge wagen”), “Circle moods” (“Kreisstimmungen”) – zwei Tanzsoli aus FrankreichDas LOFFT bietet optimale Rahmenbedingungen für zwei intime Stücke für die Tänzerin Sandrine Burin aus Paris und den Tänzer Camus aus Bordeaux. "Ch(ose)” (“Dinge wagen”): Ein gläsernes Rohr, ähnlich einer großen Vogelvoliere, hängt in der Mitte des dunklen Raumes in einem Lichtkreis. Sandrine Buring betritt die Bühne, sucht Kontakt zum Licht, bringt das Rohr in Bewegung und kriecht mit nacktem Oberkörper hinein, atmet lange und intensiv und versucht an ihrem Zustand des Gefangenseins etwas zu verändern, versucht zu fühlen, zu sprechen, zu sehen, den ganzen Körper zu bewegen. Durch die unregelmäßige Glasstärke sieht der Zuschauer teilweise verzerrte Bilder ihres Körpers. Am Ende verharrt sie in einer hilflosen Position – gefangen in und mit sich selbst.
euro-scene: “Herbstzeitlose”Tanztheater des Theaters Bielefeld - Konzeption und Choreographie: Rainer Behr. Der Titel des Tanzstückes ist auch das Motto der diesjährigen euro-scene, die Herbstzeitlose, ein Krokus, der im Spätherbst, wenn alle anderen Blumen verblüht sind, aus der Erde hervorkommt und dessen Blätter sich erst im Frühjahr entwickeln. Auf der Bühne eine Müllhalde mit vielen Steinen und altem Zeug, junge Menschen in zeitgemäßer Kleidung beschreiben oder verändern einzeln, paarweise oder in Gruppen ihre Lage. Neun Tänzerinnen und Tänzer zeigen Episoden ihres Daseins, ihre Persönlichkeit, die Übergänge sind abrupt und nur über die mal weiche, mal harte Musik verständlich.
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