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Sei lieb zu meiner Frau im Theater am Kurfürstendamm

Die Rezension vom 24.05.2011

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Wovon lebt Boulevard-Theater? Von einem originellen Grundeinfall für das Stück, spritzigen Dialogen und Regie und Schauspielern, die Gefühl für Pointen und Timing haben. Und wovon lebt "Sei lieb zu meiner Frau" im Theater am Kurfürstendamm? Genau davon! Zunächst einmal ist der Einfall schön: Ein Mann wird vom Ehemann seiner Geliebten erpresserisch aufgefordert, sich wieder mehr um sie zu kümmern. Das geschieht natürlich nicht uneigennützig. Im Verlauf der Geschichte betrügt jeder jeden und die raffinierten Lügen werden zum Bumerang. Mehr sei nicht verraten.
Die Dialoge sprühen von Wortwitz und die vier Schauspieler (Maike Bollow, Dorkas Kiefer, Hugo Egon Balder und Sebastian Goder) beherrschen das schwere Metier der präzisen Leichtigkeit virtuos.

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Tolstois Macht der Finsternis an der Berliner Schaubühne

Die Rezension vom 23.05.2011

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Menschenskind, ich habe viel gelernt an diesem Abend. Zunächst einmal, dass ich ziemlich
leide, wenn ich – vielleicht als einziger im gut besuchten Haus – am Schluss nur halbherzig
applaudieren kann – und nicht verstehe, worauf sich die vereinzelten „Bravos“ beziehen.
Zum zweiten habe ich durch das Stück gelernt, dass meine Oma recht hatte mit dem Satz,
"Geld verdirbt den Charakter", und ich weiß nun auch, dass es die Menschen zwingt, sich zu
verbiegen. Kann man von einem Theaterabend mehr verlangen?

Wäre ich Reich-Ranicki, würde ich vielleicht sagen, ich fand den Abend grässlich in dieser binsenweisheitlichen Oberflächlichkeit. Aber ich beschränke mich darauf zu konstatieren, dass ich mir einfach nur veralbert vorkam. Ich kann mir natürlich auch nicht vorstellen, wie man dieses moralisierende Tolstoi-Stück für uns spannend erzählen sollte, aber ich kann mir genauso wenig erklären, warum man es sich dann aussucht. Das Bühnengeschehen hat mir jedenfalls keinen Grund dafür geliefert.

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Romeo und Julia am Berliner Ensemble

Die Rezension von der Premiere am 21.05.2011

Und schon wieder eine Premiere in Berlin, die vom Publikum bejubelt wurde. Ich will allerdings nicht unerwähnt lassen, dass es auch einige Zuschauer gab, die in der Pause gegangen sind. Die Geschichte des berühmten Liebespaares dürfte allgemein bekannt sein. Mona Kraushaar benutzt für ihre Inszenierung die Übersetzung von Thomas Brasch. Damit war eigentlich schon klar, dass es keinen „konventionellen Klassiker“ gebe würde. So sehen wir auch nicht Verona, sondern die leere Bühne mit einem Spielpodest, aus dem der Mittelteil nach oben schweben kann und kippbar ist. Dabei wird ein darunter liegendes Wasserbecken freigelegt, in dem natürlich auch kräftig geplanscht wird. (Bühne: Katrin Kersten) Das ist alles nicht neu, aber es wird damit so unbekümmert umgegangen wie mit der Zeit und den Situationen. Die werden auf die Spitze getrieben, zum Glück ohne die Fabel zu verletzen. Das wirkt modern, ohne künstlich auf heute gequält zu sein. So einen Gag für den schnellen Lacher wie den "Hass-Spruch" von Benvolio (bei Roman Kanonik hat er was von einem Sancho Pansa) kann ich das als Ausrutscher verzeihen.

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Effi Briest in den Leipziger Cammerspielen

Die Rezension von der Premiere am 18.05.2011 

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Fontanes Roman Effi Briest nervte ganz sicher Generationen von Schülern als Pflichtlektüre im Deutschunterricht. Nur sehr wenige hatten beim ersten Lesen, beim ersten Kontakt mit dem Stoff, Freude daran. Denn ganz ehrlich Effi Briest ist verdammt langweilig geschrieben. Das liegt daran, dass sich dieser Roman dem Leser nicht anbiedert. Vielmehr verlangt er von ihm ein Einlassen und vor allem einen wachen Verstand. Dieser muss die Feinheiten, die Nuancen in Schilderung der Räume, der Figuren und ihrer Gespräche zu schätzen und interpretieren wissen.

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Roses Geheimnis am Kleinen Theater Berlin

Die Rezension von der Premiere am 21.05.2011

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Starker, freundlicher Beifall belohnte am Freitagabend die Berliner Erstaufführung von "Roses Geheimnis", einem 2003 uraufgeführten Stück des Broadway-Routiniers Neil Simon am Kleinen Theater am Südwestkorso. Die größte Überraschung war für mich, dass kein Berliner Theater sich dieses Stück bisher gesichert hat, bietet es doch für vier Schauspieler kräftiges Boulevard-Futter
mit einem Hauch Melancholie. Das Stück heißt im Original "Rose and Walsh" und die Vorbilder für seine beiden Hauptfiguren sollen das amerikanischen Erfolgs-Schriftstellerpaar Lillian Hellmann
und Dashiell Hammett gewesen sein. Rose, eine ehemals gefeierte Schriftstellerin, die sich nicht mehr der Literatur, sondern dem Whisky zuwendet, ist kurz davor zu verarmen. Ihr Mann spielt zwar
noch immer die Hauptrolle in ihrem Leben, ist allerdings seit fünf Jahren tot. Im Prinzip führen sie ihre Ehe weiter und nur sie kann ihn sehen, wenn er Abend für Abend zu ihr kommt. Doch nun kündigt er an, sie endgültig zu verlassen. Zuvor will er sie finanziell absichern und zaubert das Manuskript seines letzten, unvollendeten Romans hervor. Gleichzeitig empfiehlt er ihr einen jungen Nachwuchsautor, der die restlichen Seiten schreiben soll. Der kommt auch, jedoch entwickelt sich alles anders als geplant.

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Betrogen am Berliner Renaissancetheater

Die Rezension von der Premiere am 18.05.2011

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Ein Stück mit dem Titel "Betrogen", noch dazu von Harold Pinter, dem britischen Literatur-Nobelpreisträger, da mag mancher ein schweres Psychodrama erwarten. Aber weit gefehlt. Im Renaissancetheater erlebte ich Boulevardtheater auf höchstem Niveau. Während die letzten Gäste in den Zuschauerraum strömen, findet auf der Bühne bereits eine Squash-Partie statt zwischen Jerry und Robert, die eine tiefe, nicht zu erschütternde Männerfreundschaft verbindet. Sie spielen mit Spaß und Respekt vor einander. Eine eingeblendete Jahreszahl mit aktueller sekundengenauer Uhr verweist darauf, dass die Szene hier und heute spielt. Zunächst. Denn nun macht das Stück eine Rolle rückwärts ins Jahr 1977. Emma, die Frau von Robert, informiert Jerry, dass sie ihre Ehe beendet hat, weil ihr Mann sie betrügt. Gleichzeitig erfahren wir, dass sie ihren Mann sieben Jahre lang mit Jerry betrogen hat. Und wir erleben in mehreren Schritten zurück, wie es dazu kam, auch ab wann Robert von der Beziehung seiner Frau wusste, ohne es den Freund merken zu lassen. Ein Stück über Betrug, aber auch über Selbstbetrug.

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90 Jahre Schlossparktheater Berlin

Die Eindrücke von der Feier am 12.05.2011

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90 Jahre ist es her, dass der Wirtschaftstrakt des Berliner Wrangel-Schlösschens zu einem Theater umgebaut wurde. Und so ein 90. Geburtstag muss doch gefeiert werden, dachte sich der derzeitige Hausherr Dieter Hallervorden, dem man sofort glaubt, dass das Schlossparktheater seine große Liebe ist. Sonst wäre er vor zwei Jahren wohl nicht so ein großes persönliches Risiko eingegangen, um das inzwischen leerstehende Haus wieder zur Blüte zu bringen. Was war das nun für eine Geburtstagsfeier? Glücklicherweise eine völlig unspektakuläre, die nur eins zum Thema hatte: Die unbändige Liebe zum Theater, in der sich die Geburtstagsgäste im Publikum mit denen auf der Bühne einig waren. Letztere waren eine illustre Schar von Schauspielern, die in diesem Haus immer mal wieder auf der Bühne stehen.

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Maxim Gorkis Kleinbürger am Deutschen Theater Berlin

Die Rezension von der Premiere am 10.05.2011

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Großer Jubel beim Premierenpublikum, etwas verhaltenere Begeisterung bei mir.
Bin ich noch beglückt in die Pause und danach wieder in den Saal gegangen, kamen bei mir
im 2. Teil immer öfter Unmutsmomente auf. Doch der Reihe nach: Zu Beginn, der Eiserne Vorhang ist heruntergelassen, wird es abrupt finster - nicht einmal die Notbeleuchtung ist an – und man hört eine Menschheits-philosophische Betrachtung. Ich glaube, sie stammt von Ingeborg Bachmann. Als die Bühne freigegeben wird, sieht man in einer Kieslandschaft ein Podest mit einem Denkmal, das an Lenin erinnert und wahrscheinlich gedeutet werden möchte (Bühne Rufus
Didwiszus). Da es für mich keinen wirklichen Bezug zum Geschehen hatte, habe ich mich dieser Mühe allerdings gar nicht erst unterzogen.

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Ladies Night auf dem "Theaterkahn Helene" in Berlin

Die Rezension vom 08.05.2011

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Man sollte gerade in den Tagen des Theatertreffens daran erinnern, dass eine kaum überschaubare Anzahl freier Theater und Ensembles wesentlich die Kulturszene der Hauptstadt prägt. Immer wieder lassen engagierte Künstler bei meist extremer Selbstausbeutung etwas Neues entstehen. Der Einfallsreichtum beim Entdecken ungewöhnlicher Spielstätten scheint unerschöpflich. Das Ensemble „DIE Company“ hat nun seit dem 1. Mai den „Theaterkahn Helene“ erobert,  um seinem Publikum unterhaltsame niveauvolle Comedie zu präsentieren. Wie schön, dass die Spree-Cöllnische Schifffahrtsgesellschaft als Besitzer der „Helene“ ein Herz für Künstler hat.

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Rocco und seine Brüder im Berliner Maxim-Gorki-Theater

Die Rezension von der Premiere am 05.05.2011

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"Rocco und seine Brüder", dieser bedeutende Film Viscontis, der nicht zuletzt Alain Delon den
Durchbruch als Schauspieler brachte, hat nun seinen Weg auf die Bühne des Berliner Maxim-Gorki-Theaters gefunden. Es ist nicht der erste Versuch einer theatralischen Umsetzung. Bereits 2008 hat ein Amsterdamer Ensemble im Rahmen der Ruhrtriennale eine Stückfassung gezeigt.
Ich habe sie nicht gesehen, aber den Beschreibungen nach hat sie anstrengende 3 Stunden ohne
Pause gedauert. Das kann man der Inszenierung von Antú Romero Nunes schon mal nicht
vorwerfen. Die pausenlosen 2 Stunden sind durchaus unterhaltsam. Da wird die große Kiste der
Theatermittel aufgemacht: die Truppe darf zunächst als Pantomimenensemble einen ausgiebigen
Stummfilm-Auftakt spielen, Requisiten werden nicht als Zierrat, sondern als eigenständige
Erzählmittel genutzt, eine nicht sichtbare Brosche wird durch schauspielerische Magie zu einer
Kostbarkeit. Die Liste glücklicher Einfälle ließe sich noch weit fortsetzen. Und man hat den Eindruck, dass hier ein Ensemble lustvoll seinem Regisseur in den theatralischen Buddelkasten gefolgt ist.

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