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Ein seltsames Paar von Neil Simon am Schlossparktheater Berlin

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Die Rezension von der Premiere am 28.04.2012


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Es gibt Stücke, die sind unverwüstlich und tauchen zu Recht immer wieder in den Spielplänen der Theater auf. Dazu gehört auch Neil Simons "Ein seltsames Paar". Oscar, der nach seiner Scheidung allein in einer Achtzimmer-Wohnung und in ziemlichem Chaos wohnt, bietet Felix, einem Freund aus der Pokerrunde, den seine Frau rausgeschmissen hat, an, bei ihm einzuziehen. Felix, der etwas hypochondrisch veranlagt ist, bringt mit seinem Putz-Tick den Gastgeber nach und nach zur Verzweiflung, vermasselt ihm sogar ein geschickt arrangiertes Date. Jetzt erlebte das Stück seine Premiere am Schlossparktheater und die Pointen, die gekonnt auf der Klaviatur der Klischees spielen, funktionierten auch dieses Mal wieder. Darauf scheint sich Adelheid Müther so sehr verlassen zu haben, dass sie alles lediglich brav vom Blatt spielen ließ. Glücklicherweise hatten die Darsteller der beiden Schwestern und der Poker-Runde (Debora Weigert, Anne Rathsfeld, Harald Effenberg, Georg Tryphon, Raimond Knoll und Kristian Wanzl) genug darstellerisches Vermögen, um sich mit klaren Figuren gut über die Runden zu retten.

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Ein Wochenende im Renaissancetheater Berlin

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Die Rezension vom 28.und 29.04.2012


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Jeder Poker-Spieler könnte neidisch werden. 2 Mal hintereinander Full House im Renaissancetheater. Und das trotz sommerlicher Temperaturen in Berlin. Zunächst versprachen am Sonnabendnachmittag Horst Pillau und Hans-Jürgen Schatz "Wir lernen Ihnen Deutsch" und sahen sich unsere Sprache gründlich an. Da wurden Aussprüche von Politikern und Sportlern, Gebrauchsanweisungen, Neudeutsch (sprich: Denglisch), die Jugendsprache und einiges mehr unter die Lupe genommen. Das dauerte immerhin zwei Stunden, aber es war zu keiner Zeit langweilig. Horst Pillau führte mit feiner Ironie und ohne erhobenen Zeigefinger von einem Thema zum anderen. Hans-Jürgen Schatz übernahm den rezitatorischen Hauptpart und es war beeindruckend, wie viele gestalterische Varianten er für die unterschiedlichen Texte fand. Mir hat auch sehr gefallen, dass der Nachmittag mit einem Beispiel höchster Sprachkultur, Goethes "Osterspaziergang", ausklang. Eingedenk der mahnenden Worte Horst Pillaus werde ich mich hüten, die Veranstaltung "toll" zu nennen. Sie war intelligent, witzig, anregend, manchmal überraschend – kurz: lohnend.

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Der dressierte Mann von John von Düffel nach dem gleichnamigen Bestseller von Esther Vilar im Theater am Kurfürstendamm

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Die Rezension von der Premiere am 22.04.2012
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Dieses Mal hat John von Düffel also keinen Roman für die Bühne adaptiert, sondern sich das Pamphlet "Der dressierte Mann" von Esther Vilar, das in den 70er Jahren die Feministinnen provozierte, als Ausgangspunkt für eine spritzige Boulevardkomödie genommen, in die er einige ihrer Thesen mit einfädelt. Das woanders bereits erfolgreich gespielte Stück hatte nun im Theater am Kurfürstendamm Premiere. Bastian will sich bei einem romantischen Candle-Light-Dinner mit seiner Freundin Helen verloben. Dass sie sich verspätet wäre noch nicht so schlimm, läge der Grund dafür nicht in einem Jobangebot ihres gemeinsamen Chefs. Sie soll die Stelle bekommen, mit der Bastian gerechnet hatte, und künftig 10x soviel verdienen wie er. Helen weiß nicht, wie sie ihren Wunsch nach Karriere und den nach einer Hochzeit unter einen Hut bringen soll. Doch die Mütter der beiden, Konstanze Engelbrecht und Dr. Elisabeth  Schröder-Röder, zwei Frauen, deren Positionen eigentlich nicht unterschiedlicher sein können,  nehmen die Sache gemeinsam in die Hand. Das turbulente Stück hat in den Dialogen eine hohe  Pointendichte und Martin Woelffer inszenierte es deftig und temporeich.

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Benefiz – Jeder rettet einen Afrikaner von Ingrid Lausund als Gastspielpremiere im Renaissancetheater Berlin

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Die Rezension von der Premiere am 20.04.2012


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Da muss also erst eine freie Theaterproduktion kommen, um in Berlin zu zeigen, wie aktuelles politisches Theater funktionieren und ein Publikum begeistern kann. So geschehen bei der Gastspielpremiere von Ingrid Lausunds "Benefiz – jeder rettet einen Afrikaner" am Berliner Renaissancetheater. Realisiert durch lausundproductions in Koproduktion mit dem Verein Freunde des Theater an der Rott e.V. und Eigenreich Berlin inszenierte die Autorin ihr Stück selbst und stürzte zusammen mit ihrem vorzüglichen Ensemble die Zuschauer unterhaltsam in ein Wechselbad der Gefühle. Es geht um 5 Personen, die einen Benefiz-Abend für eine Schule in Afrika vorbereiten. Voll guter Absicht tappt man in jedes Fettnäppchen eigener Eitelkeiten, steht der ethische Anspruch ständig auf dem Prüfstand. Und das alles passiert mit so einem bösen Humor, aber gleichzeitig einer so tiefen Menschlichkeit, dass man als Publikum atemlos jede Wendung mitmacht.

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Es geht ans Eingemachte - Krankheit der Jugend

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Die Rezension von der Premiere am 20.04.2012 in der naTo

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Das Ensemble der Cammerspiele wagte sich diesmal an die Umsetzung des Stückes "Krankheit der Jugend" von Ferdinand Bruckner. Und eines gleich vorweg: Das Wagnis gelang. Die Inszenierung bleibt im Gedächtnis. Weil genau so Theater sein muss. Lebendig, fesselnd und zeitlos. Krankheit der Jugend ist, wie es der Titel schon vermuten lässt, eine Art Bestandsaufnahme der Verfassung von jungen Menschen. Und diese Bestandsaufnahme fällt kaum positiv aus. Die 6 Protagonisten fallen übereinander her, sei es aus Liebe oder Lust. Sie treiben böse Spiele miteinander. Berauschen sich an der Macht über sich und andere. Sie sind ohnmächtig, gewalttätig, dumm und klug. Das Publikum lernt die zielorientierte Marie kennen. (Sehr überzeugend von Sarah Arndtz dargestellt.) Sie ist eine Einser-Studentin, die alles in ihrem Leben steuern und lenken will, auch ihren Freund den charakterschwachen Literaten Bubi. (Wunderbar gespielt von Thomas Deubel.) Dieser Bubi befreit sich aus diesem Beziehungsgefängnis natürlich durch eine andere Frau, die eher steife Irene. Dies kann Marie so nicht hinnehmen und rächt sich grausam an ihrer Nebenbuhlerin. Irene wird sehr glaubhaft von Sabrina Weidner zum Leben erweckt und ist gerade in der Vergewaltigungsszene überragend. Einer der wohl wichtigsten Charaktere ist Freder.

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Paradiso von Lisa Winiewicz in der Komödie am Kurfürstendamm

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Die Rezension von der Deutschen Erstaufführung am 13.04.2012


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Da hat die Komödie am Kurfürstendamm ein kleines Juwel in ihrem Spielplan. Und sein besonderes Strahlen geht bei dieser deutschen Erstaufführung von "Paradiso" einem Stück der österreichischen Autorin Lisa Winiewicz von Christine Ostermayer aus. Sie spielt Martha, eine pensionierte Lehrerin, die im Park hingebungsvoll die Enten füttert. Vicky, gespielt von Hansi Jochmann, eine arbeitslose Krankenschwester, die in ihr Leben tritt, um ihr zunächst eine Sterbeversicherung zu verkaufen, ist nicht nur wesentlich jünger, sondern in vielem das Gegenteil von Martha. Scheinen die Unterschiede zunächst unüberbrückbar, kommen sie sich über einen längeren Zeitraum Stück für Stück näher, ihr Verhältnis verändert sich und es läuft schließlich auf eine überraschende Pointe hinaus.

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Joseph und seine Brüder von Thomas Mann in der Fassung von John von Düffel am Deutschen Theater Berlin

rmlogo Die Rezension vom 12.04.2012


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Die 2. Vorstellung von "Joseph und seine Brüder" nach Thomas Mann in der Fassung von John von Düffel konnte durch die Flugverspätung einer Darstellerin erst mit Verzögerung beginnen. John von Düffel überbrückte sympathisch die Zeit mit einer Einführung in den Stoff. Das war vielversprechend. Leider löste die anschließende Inszenierung nur wenig davon ein. Schon die routinierte Bühnenfassung erzählt kaum mehr als die pure Fabel. Da hätte man nicht den Namen Mann bemühen müssen, die Bibel als Grundlage hätte man genauso gut angeben können. Natürlich beweist von Düffel wieder, dass er Szenen bauen und Dialoge schreiben kann. Manches klang da ein wenig flapsig, sehr weit weg von Mann. Die Oberflächlichkeit des Stückes setzt sich in der Regie von Alize Sandwijk vom RO-Theater Rotterdam fort.

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Nosferatu - gut gemachte Theater-Konsumware im Neuen Schauspiel Leipzig.

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Die Rezension vom 07.04.2012


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Blutsaugen in Schwarz und Weiß - Nosferatu im Neuen Schauspiel Leipzig. Es ist relativ selten, dass ein Stummfilmklassiker als Vorlage für ein Theaterstück dient. Vielleicht kommen die meisten Regisseure und Regisseurinnen einfach nicht auf die Idee. Doch Markus Czygan und Claudia Rath kamen darauf und setzten den berühmten deutschen Stummfilmklassiker Nosferatu von Friedrich Wilhelm Murnau um. Die Geschichte ist dabei natürlich etwas abgewandelt worden. Der Angestellte Jonathan Hawker reist im Auftrag des Immobilienmaklers Zork nach Transsylvanien. Er soll dort den Verkauf einer Lagerhalle an den Grafen Orlok abschließen. Die Halle befindet sich gegenüber dem Anwesen Jonathans und seiner Frau. Der Graf unterzeichnet den Vertrag, scheint aber mehr an der Fotografie der Frau Jonathans Interesse zu haben, als an der zu erwerbenden Lagerhalle. Auch ist der Graf dem Angestellten unheimlich. Und als er ihn in einem Sarg schlafend vorfindet, flieht Jonathan. Zu Hause angekommen findet er seine Frau in einer Art Trance wieder.

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Venedig im Schnee im Schlossparktheater Berlin

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Die Rezension von der Premiere am 31.03.2012


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Ein freches Stück Boulevardtheater erlebte im Berliner Schlossparktheater seine Premiere: "Venedig im Schnee" des Franzosen Gilles Dyrek, Deutsch von Annette & Paul Bäcker. Patricia und Christophe haben sich gestritten, sind aber bei einem Studienfreund von Christophe eingeladen. Patricia, noch voller Groll und zusätzlich genervt von dem turtelnden Pärchen Nathalie und Jean-Luc, sagt keinen Ton. Daraufhin hält man sie für eine Ausländerin, die kein Französisch spricht. Patricia nimmt den Ball auf und gibt sich mit einer ausgedachten Sprache als Flüchtling aus Chouvenien, einem vom Krieg gebeutelten Land Ex-Jugoslawiens aus, das sie natürlich frei erfunden hat. Daraufhin wird sie in peinlicher Weise von Nathalie und Jean-Luc mit fragwürdigen Spenden überhäuft. Die Entwicklung der Ereignisse stellt auch die Beziehungen der beiden Paare auf die Probe.

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Dead Man Walking in der Berliner Vagantenbühne

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Die Rezension von der Uraufführung am 27.03.2012


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Es war in großer Abend in diesem kleinen Theater. Und es gab am Schluss erst eine Phase der Betroffenheit, die es einen Moment dauern ließ, bis das Publikum heftig applaudierte. Dead Man Walking, nach dem Buch von Sister Helen Prejean, die eigene Erfahrungen schildert, war ja schon als Film ein Welterfolg. Nun hatte Martin Jürgens die Genehmigung zu einer fremdsprachigen Bühnenfassung bekommen. Sister Helen begleitet einen Vergewaltiger und Mörder im Gefängnis bis zu seiner Hinrichtung. Sie sucht nach der Wahrheit, lebt Menschlichkeit und stellt die Todesstrafe permanent in Frage.

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