"Rosmersholm" von Ibsen an der Volksbühne Berlin
Zum Nachlesen Das muss doch für das Stammpublikum der Berliner Volksbühne ein Kulturschock gewesen sein: Auf der Bühne ein gediegener Salon, in dem mit wenig szenischem Aufwand tiefschürfende Diskussionen - vorwiegend im Sitzen - stattfinden und den Zuschauer zum aufmerksamen Zuhören verpflichten. Schon auf Grund dieser Besonderheit am Rosa-Luxemburg-Platz hätte ich mir gewünscht, dass Leander Hausmanns Inszenierung von Ibsens "Rosmersholm" ein Erfolg geworden wäre, aber das ist sie leider nicht. Zu wenig kann der Regisseur vermitteln, was ihn an diesem komplizierten Stück, das nicht ohne Grund selten gespielt wird, gereizt hat.
Capitalista, Baby am Deutschen Theater Berlin
Zum Nachlesen Das Deutsche Theater Berlin startete mit zwei Premieren in die neue Spielzeit, Die zweite Premiere war in den Kammerspielen "Capitalista, Baby" nach "The Fountinhead" von Ayn Rand in einer Fassung von Tom Kühnel und Jürgen Kuttner, die beide auch Regie führten. Und hier hat mich der ebenfalls nicht gerade kurze Abend bestens unterhalten, auch im Sinne von angeregt. Es war politisches Theater (fast) ohne Zeigefinger mit komödiantischem Vergnügen. Die Amerikanerin Ayn Rand, die 1905-1982 gelebt hat, ist in ihrem Land eine Bestsellerautoren und gilt als Verfechterin des reinen Kapitalismus. Das ist wahrscheinlich der Ausgangspunkt für den etwas irreführenden Titel. Geht es doch in ihrem Roman "The Fountainhead" um die bedingungslose Selbstverwirklichung des Individuums im Gegensatz zu denen, die sich vom System korrumpieren lassen, aber auch denen, die den Sozialstaat propagieren. Howard Roark, ein eigenwilliger Architekt arbeitet lieber im Steinbruch, als seine Ideale zu verraten. Ganz im Gegensatz zu seinem Kommilitonen Peter Keating, einer mittelmäßigen Begabung, der bei Howard schmarotzt und schnell Karriere macht. Als er sich nicht an die Verabredung hält, die Pläne Howards für eine Anlage des sozialen ohne jegliche Änderung zu verwirklichen, sprengt dieser das Gebäude in die Luft.
Besuch bei Mr. Green im Schlosspark Theater Berlin
Zum Nachlesen "Besuch bei Mr. Green" von Jeff Baron war ein wunderbares, berührendes Erlebnis im Schlosspark Theater. Zwei Schauspieler haben aus einem kleinen Stück einen großen Theaterabend gemacht. Mr. Green, ein alter, orthodoxer Jude, dem kürzlich die Frau gestorben ist, hat sich in seine graue Wohnung vergraben und droht zu verwahrlosen. Im Bühnenbild von Stephan von Wedel hat der Raum etwas von einem selbst gewählten Kerker. Überraschend und unwillkommen dringt Ross, ein junger Mann ein Mal wöchentlich in sein Leben ein. Er ist vom Richter zu diesen Sozialstunden verdonnert worden, weil er Mr. Green mit dem Auto beinahe über den Haufen gefahren hätte. Nach und nach öffnet sich bei koscherem Essen Mr. Green dem ungebetenen Gast.
Wiederaufnahme der Kalender Girls im Theater am Kurfürstendamm
Zum Nachlesen Schade, schade, schade. Ich hatte mich darauf gefreut, bei der Wiederaufnahme der "Kalender Girls" von Tim Firth im Theater am Kurfürstendamm quasi das weibliche Pendant zur phantastischen "Ladies Night" im Theater nebenan zu erleben. Aber was für eine Enttäuschung. Bestenfalls ein müder Abklatsch der Probleme mit dem Nacktsein. Und es ließ mich merkwürdig kalt. Die im Film sehr berührende Geschichte um Frauen in den besten Jahren, die nach dem Krebstod des einen Ehemannes beschließen, sich nackt für einen Kalender ablichten zu lassen, um dem Krankenhaus ein neues Sofa spendieren zu können, plätschert hier von Station zu Station.
Winterreise am Deutschen Theater Berlin
Zum Nachlesen Das Deutsche Theater Berlin startete mit zwei Premieren in die neue Spielzeit, anderthalb davon habe ich gesehen. Da gab es zunächst Elfriede Jelineks "Winterreise", bei der Kritikerumfrage von "Theater heute" zum deutschsprachigen Stück des Jahres gewählt. Ich frage mich nur, was an diesem Text ein Theaterstück war. Es ist ja legitim, wenn eine Schriftstellerin über ihr Leben und das Leben an sich reflektiert. Aber deshalb ist dieser sich gelegentlich philosophisch gebende, dann wieder einfach nur narzistische Seelenstriptease doch noch lange kein Bühnenstück.
Schach von Wuthenow am Hans-Otto-Theater Potsdam
Zum Nachlesen Im Programmheft des Hans-Otto-Theaters wird Fontane zitiert "Man sehnt sich wieder nach dem Dunkel, dem Rätselhaften, dem Wunder." Das Rätselhafteste bei der Uraufführung der Dramatisierung des "Schach von Wuthenow" Theodor Fontanes war für mich, warum man diesen Stoff unbedingt auf die Bühne bringen musste. Das liegt – trotz aller Erklärungen im Programmheft und in Interviews- für mich im Dunkeln. Schach von Wuthenow, ein preußischer Offizier macht der Witwe Josephine von Carayon den Hof. Er lässt sich im Nachklang eines Gespräches über Schönheit die aus dem Inneren kommt, mit Victoire, der durch Blattern entstellten Tochter Josephines, auf eine Liebesnacht ein. Gezwungen, die Konsequenzen zu ziehen und zu heiraten, flieht er zunächst, stellt sich dann aber der Verantwortung, heiratet und erschießt sich.
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