Leipzig: "Merhaba Türkiye – Hallo Türkei"Das deutsch-türkische Verhältnis ist leidlich verworren. Die ca. 1,6 Millionen Türken in Deutschland stellen nicht nur die größte Minderheit, sie sind auch Teil einer deutschen Gesellschaft, die sich allzu oft darüber definiert, eben diesen Teil zu diskriminieren. Zu den Rufen nach einer Leitkultur gesellen sich mediale Debatten über den EU-Beitritt der Türkei, die Geschichte der Gastarbeiter in Deutschland, Kopftücher und Religionsfreiheit, die Integrationsproblematik und ihr Scheitern, Moscheenbau, Döner Kebab, Parallelgesellschaft. Schließlich folgte Thilo Sarrazin mit kruden Ansichten über die Bedeutung von Fertilitätsraten für das Produktivitätsvermögen der Gesellschaft und attestierte den Türken die "Abschaffung Deutschlands" durch Assimilation. Sarah und Bilal wollen’s wissen. Sarah studierte mal Sozialwissenschaften in Istanbul, Bilal ist Türke und lebt seit seiner Geburt in Deutschland, also ran ans Kulturschock-melting pot-Potpourri: Ben kimim? – Wer bin ich (wirklich)? Merhaba Türkiye – Hallo Türkei ist ein Arbeits- und Rechercheprozess, bei dem die individuelle Erfahrung und Selbstwahrnehmung der Performer mit den medial und gesellschaftlich konstruierten Bildern von Türkei und türkischem Leben in Deutschland kollidiert. Exotik ist ja auch aufregend. Merhaba Almanya! – lassen wir’s krachen! Die Theaterperformance feiert am 23.05.2013 Premiere.
Leipzig: "ION"Das Orakel befragen, dann aber den Orakelspruch befragen? Das ist im schicksalsergebenen Verlauf eines griechischen Dramas dem Menschen eigentlich nicht gegeben. Und doch führt Euripides in seinem ION genau dies herbei, wenn er ein kinderloses Ehepaar zum Orakel im Apollon-Tempel in Delphi reisen lässt, um die Wahrscheinlichkeit seines Kinderwunsches zu prüfen, dort aber dessen Glauben an das göttliche Wahrheitsmonopol mehr als nur erschüttert. Denn Apolls Orakel verlautbart eine halbgare Wahrheit: Es präsentiert dem Paar einen verlorenen Sohn als vorehelichen Fehltritt, ohne zu sagen, dass dieser Junge Ion das Produkt von Apolls Verführung der Ehefrau in ihren Mädchenjahren ist. Und so kommt eine Verwechslungstragödie in Gang, die bei allen Beteiligten Zweifel an der Richtigkeit des Orakels sät. Ihre irdische Lebenssituation, ihre Zukunftspläne als Maßstab nehmend, formulieren sie mit ihrer Sinnsuche unbewusst eine Systemfrage, die Armin Petras in seiner modernen Nacherzählung gezielt an die Geschichte heranträgt und fragt, ob die vom Orakel behauptete wahrheit ETHISCH ist, das heißt schlichtweg, ob wir mit ihr wirklich leben wollen, oder ob es nicht an der zeit wäre, eine neue wahrheit durch eine neue praxis herzustellen. Euripides hat uns mit ION einen Anti-Ödipus geschenkt, indem er mit der Kritik an der göttlichen Gestaltungsmacht dem Menschen eine Ahnung seiner eigenen gab. Das Stück feiert am 23.05.2013 im Rahmen der Leipziger Festspiele Premiere.
Leipzig: Ein einziges langes Donnergebrüll. Völkerschlacht. Leben zwischen Pulverdampf und FreiheitsmythosZur Theaterpremiere am Samstag, dem 25.05.2013 laden die Schauspieler Maja Chrenko und Alexander Gamnitzer sowie der Musiker Albrecht Wagner ins Völkerschlachtdenkmal ein. In Erinnerung an die größte Schlacht des 19. Jahrhunderts führen die Künstler die Besucher zurück in die Zeit, in der sich über eine halbe Million Soldaten in blutigem Ringen aufeinander warfen. Wie haben sie die mörderischen Kämpfe erlebt und überlebt; wie verliefen Alltag und Neubeginn; welche Spuren bleiben bis heute? Szenen. Zeitzeugen. Musik. Die Darsteller lassen die Zuschauer in fiktiven Spielszenen, unverfälschten Dokumenten und Erinnerungen das historische Geschehen miterleben und auch das Völkerschlachtdenkmal erhebt zum ersten Mal seine Stimme. So entsteht ein skurriles, authentisches Bild der Völkerschlacht, wie sie unser Leben bis heute prägt: als wahnwitzige Zerstörung, als geschichtlicher Wendepunkt und als Mahnung zum Frieden.
Berlin: "Leben des Galilei"Einerseits formuliert Bertolt Brecht in Leben des Galilei das Recht auf unabhängige Forschungsarbeit der Naturwissenschaften und warnt vor deren Instrumentalisierung durch tagespolitische Ereignisse. Andererseits zeigt er auf, wie man anhand wissenschaftlicher Untersuchungen zu Wahrheiten gelangen kann. In 15 Bildern beschreibt Brecht, das Leben von Galileo Galilei von dem Moment an, an dem er Padua verlässt, um in Florenz seine Forschungsarbeit voranzutreiben. Dort wird ihm zwar von oberster Stelle die Richtigkeit seiner Überlegungen bestätigt, im selben Atemzug aber die Verbreitung der kopernikanischen Lehre aufs Strengste verboten. Öffentlich schweigt er, privat hält er an seiner These fest und schöpft Hoffnung, als sein Gönner, der Kardinal Barberini, neuer Papst werden soll. Doch wieder stößt Galilei in Rom auf Ablehnung; man droht ihm so lange, bis er zu seiner eigenen Lehre auf Abstand geht. Freunde und Wegbegleiter sind empört. Von der Inquisition unter Hausarrest gestellt, fristet Galilei sein Leben auf dem Land – ständig überwacht von seiner Tochter und einem Mönch. Seinem ehemaligen Schüler Andrea jedoch gelingt es, die unveröffentlichten "Discorsi"– Manuskripte außer Landes zu schmuggeln und zu verbreiten. Die Koproduktion mit dem Staatsschauspiel Dresden feiert am 25.05.2013 Berliner Premiere im Maxim Gorki Theater Berlin.
Berlin: "Möwe und Mozart"Liebe kennt kein Alter, das Alter vergisst höchstens die Liebe! Das kann Sofia in diesem mit viel zärtlichem Humor erzählten Großstadtmärchen nicht passieren! Die Aufgabe, der sie sich täglich stellt, heißt Lebensverzauberung. Immer optimistisch begegnet sie, die schon als Kind Möwe genannt wurde, allen Widerwärtigkeiten dadurch, dass sie das schnöde Sein in schönen Schein verwandelt. ‚Mozart’ Herbert, Komponist einer unvollendeten Nebelsinfonie, die er Werbemusiken z. B. für Tomatensuppe geopfert hat, ist ihr genaues Gegenteil! Festgefahren in seinem eigenbrötlerischen Pessimismus tut er alles, um die Anmache der Möwe zu ignorieren, die eines Tages auf ‚seiner’ Stammparkbank sitzt und ihm, weil sie einfach nie ihren Schnabel hält, furchtbar auf die Nerven geht. Dass Sofia in Herberts Leben hineingeflattert ist und beginnt, seinen Alltag komplett auf den Kopf zu stellen, war die Idee seines Neffen Carl, der für seinen Onkel zum Amor wurde, um ihn aus seiner Vereinsamung zu befreien. Zunächst wehrt dieser sich noch heftig, doch jeder Widerstand erweist sich als zwecklos, und so lässt er sich notgedrungen auf Sofia ein… und muss plötzlich sogar um das Zusammensein mit der Möwe, die ihre Verletzlichkeit immer verborgen hat, bangen, als sie ihm beinahe davon schwebt. Die Komödie von Peter Limburg als Gastspiel des Theaters im Rathaus Essen feiert am 27.05.2013 Berlin-Premiere im Schlosspark Theater.
Leipzig: "The Last Man in Leipzig - Social Error" (UA)Mit ihrer Theaterperformance THE LAST MAN IN LEIPZIG – SOCIAL ERROR präsentieren die ungarische Szputnyik Shipping Company und ihr Regisseur Viktor Bodó ein äußerst bösartiges Gesellschaftsspiel, das am 31.05.2013 Premiere feiern wird. Inspiriert durch George Orwells dystopischen Roman „1984“, der ursprünglich „Der letzte Mensch in Europa“ heißen sollte, setzt diese Inszenierung ihre Protagonisten den repressiven Regeln eines totalitären Spiels aus. In einer Art survival show wird die systemische Grundsatzfrage durchdekliniert: Warum ist es unmöglich, eine Gesellschaftsform zu errichten, in der die Mehrheit der Menschen glücklich/zufrieden leben kann? Diese Show möchte keine schnelle Antwort liefern, aber etwas herausfinden. Das Spiel ist eine Metapher, doch sein Verlauf provoziert und zeigt uns sehr konkret die Praktiken, Methoden und Strategien moderner Gesellschaften im Umgang mit Macht, Willkür und Ideologie. Der „Große Bruder“ von Orwell ist hier zum Showmaster mutiert, der Punkte verteilt; die ungarischen und Leipziger Schauspieler werden um sie kämpfen. Die Frage nach dem social error, dem menschengemachten Fehler im System, schürt aber zugleich die subversive Hoffnung nach dem Regelbruch, nach individuellem oder gemeinsamem Aufbegehren und game over: "Ich bin ein Mensch. Holt mich hier raus!"
Leipzig: ROH - disputatio de femina bisulca1Auf der einen Seite des Flusses leben die Bonobos. Dort haben die Weibchen die Macht. Dort werden Konflikte mit Sex gelöst. Dort ist es friedlich, dort ist es schön. Auf der anderen Seite des Flusses leben die Schimpansen. Es ist laut. Die Männchen bestimmen. Es herrscht Gewalt, der stärkste Affe gewinnt. Szenenwechsel: V ist eine Frau. V ist Mutter und Gattin. V ist treu, auch ihren Liebhabern. V hat eine wilde Seele. V befindet sich mitten in ihrer ‚Midlife Horniness‘. Sie ist Hexe, Elfe, Dämon, Engel und Libelle zugleich. Sie ist immer auf der Suche. Kann sich nicht entscheiden. Zwischen Rolle und Emotion. Zwischen Wolf und Schaf. Zwischen Blümchensex und Geisterbahn. V steht in der Mitte des Flusses. In „ROH – disputatio de femina bisulca“ erzählt V ihre Geschichte und ihre Geschichten, die Wahrheit über ihre Wahrheiten. Sie berichtet von ihrem Leben und von ihrer gespaltenen Seele. Vom Wahnsinn und Zahmsinn. Sie stellt sich ihren Ängsten und fragt sich, was Fake und was real ist. Die Bühne ist das Museum von V, angefüllt mit Exponaten, O-Tönen und Schautafeln, die uns Aufschluss geben und zur Erforschung einladen. V ist Museumsführer und Spielerin ihres eigenen Lebens. V lädt uns ein auf eine Forschungsreise in ihr rohes Ich, das Land zwischen Bonobos und Schimpansen. Die Produktion von DAS ÜZ und De Lekkere Compagnie feiert am 1.06. im DachTheater Premiere SÜD und PREMIERE WEST am 2.06.2013 im Neuen Schauspiel Leipzig.
Berlin: "Gefährliche Liebschaften""In diesem Briefroman wird mit Hormonen gespielt, hier wird mit der Liebe gezündelt, es wird intrigiert, und je gefährlicher es wird, umso größer die Lust nach Hingabe und Kontrollverlust", fasst Regisseurin Amina Gusner Choderlos de Laclos Briefroman "Gefährliche Liebschaften" zusammen. Ihre Inszenierung feiert am 9.06.2013 Premiere in der Komödie am Kurfürstendamm. De Laclos porträtiert in seinem Werk ein Milieu am Rande des Abgrunds: eine Gruppe von Adligen in Frankreich um 1760. Noch scheint niemand von ihnen zu ahnen, dass das Ancien Régime kurz davor steht, von der Französischen Revolution hinweggefegt zu werden. Der besondere Reiz des Stoffes liegt für die Gusner darin, dass "während die Welt, in der die Akteure leben, untergeht, sie ihr Spiel spielen und um sich selbst kreisen. Sozusagen selbstvergessen versuchen sie die stärksten Triebe unserer Gesellschaft – die Liebe und die Lust – zu domestizieren und scheitern grandios." Die erste deutsche Übersetzung des 1782 in Frankreich erschienenen Briefromans kam bereits ein Jahr später heraus. 1905 übersetzte Heinrich Mann das Werk. Neun Mal wurde der Stoff verfilmt: Zuerst im Jahr 1959 von Roger Vadim mit Jeanne Moreau und Gérard Philipe. Die erfolgreichste Verfilmung ist die von Regisseur Stephen Frears aus dem Jahr 1988 mit John Malkovich, Glenn Close, Michelle Pfeiffer, Uma Thurmann und Keanu Reeves. Ein Jahr später kam Milos Formans Bearbeitung „Valmont“ heraus. In den Hauptrollen: Colin Firth und Annette Benning. Auch Heiner Müllers häufig gespieltes Theaterstück "Quartett" basiert auf dem Stoff. Die verwitwete Marquise de Merteuil wurde von ihrem Geliebten Bastide verlassen. Um sich dafür zu rächen, bittet sie einen anderen ehemaligen Geliebten, den Vicomte de Valmont, um einen Gefallen. Er soll die ihrem Exgeliebten zur Frau versprochene junge unschuldige Cécile de Volanges verführen und entjungfern. Diese Aufgabe erscheint Valmont aber zu einfach, ist er doch davon überzeugt, Cécile um den Finger wickeln zu können. Deswegen stellt de Merteuil ihm eine zusätzliche Aufgabe: Er möge die für ihre Tugendhaftigkeit und Frömmigkeit bekannte Madame de Tourvel verführen. Falls ihm das gelingen sollte und er es schafft, dass Madame de Tourvel ihm ihre Zuneigung in einem Brief gesteht, verspricht de Merteuil Valmont eine gemeinsame Nacht.
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