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Menschenskind

Balmorhea – Einladung zur Meditation in der naTo Leipzig

balmo1 Die Rezension vom 08.04.2013

Balmorhea ist der Name einer kleinen Stadt in Texas, in deren Nähe ein gleichnamiger State Park liegt. Balmorhea ist auch der Name einer 2006 in Austin/Texas gegründeten Band. Nun kommen mit dieser Herkunft Assoziationen daher, die eher in Richtung Americana und Desert Rock tendieren. Doch weit gefehlt, Balmorhea in der Besetzung mit Rob Lowe (Guitar, Piano, Melodica), Michael Muller Guitar, Piano), Aisha Burns (Violin, Guitar, Keybords, Percussion), Dylan Rieck (Cello), Travis Chapman  (Double bass, E-Bass) und Kendall Clark (Drums, Keyboards) haben sich, wie schon die aufgeführten Instrumente andeuten, einer von der klassischen Musik beeinflussten Stilrichtung verschrieben. Das bedeutet aber keinesfalls, das sich das Repertoire von Balmorhea auf diesen stilistischen Bestandteil reduzieren lässt. “Days” ist das erste Stück ihrer aktuellen CD “Stranger” und eröffnet ihr Konzert in der sehr gut besuchten naTo, die sich idealer Ort für die sehr spirituell angehauchte Perfomance von Balmorhea erweist.

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Archive – Unverwechselbar im Werk 2 Leipzig

arch1 Die Rezension vom 05.04.2013

Nach ihrem Auftritt im Januar 2010 im Lindenfels machen Archive aus London wieder Station in Leipzig in der großen Halle A vom Werk 2. Bevor sie sich auf die Bühne begeben wird diese von der englischen Newcomer-Band Robin Foster in Beschlag genommen.
Zum Einstimmen spielen sie einen Set, der von Post Rock mit Elementen von Shoegaze geprägt ist. Das ist alles gut gemacht, viel Neues zum Genre wird aber nicht beigetragen. 1994 gründeten die beiden Keyboarder Darius Keeler und Danny Griffiths Archive, um sich zuerst dem Trip-Hop zu widmen. Im Laufe der Zeit erweiterten sie ihre stilistische Bandbreite um Einflüsse aus Progressive, Art und Post Rock. Archive bot manchmal bis zu vier SängerInnen Platz zu deren Entfaltung. Der Rapper Rosko John hat mittlerweile die Band verlassen, demzufolge auch keine rappigen Songs mehr im aktuellen Set enthalten sind. Dave Penney (Vocals, Guitar) übernimmt den Gesangspart im ersten Stück “Finding It So Hard”. Auch hier geben Archive ihrer Musik wie so oft Zeit und Raum, sich zu entwickeln. Damit verbunden sind zumeist Steigerungen von Tempo und Intensität, auch Überraschungen wie gelegentliche Dissonanzen und plötzliche Ruhepunkte sind nie ausgeschlossen.

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The Chap – Dadaesk in der naTo Leipzig

chap1 Die Rezension vom 20.02.2013

”Jetzt spielen wir einen kommerziellen Pop-Song. Er wird euch gefallen.” Johannes von Weizsäcker (Guitar, Vocals, Cello, Computer, Keyboards), Großneffe unseres einstigen Bundespräsidenten und 2003 Gründer der britisch-deutschen Kooperative The Chap, lässt es sich nicht nehmen, diese Ankündigung jedem gespielten Titel am heutigen Abend angedeihen zu lassen. Weiterhin gehören zu dieser nicht alltäglichen Band der exzentrische Schotte Keith Duncan (Drums, Vocals, Keyboards), Panos Ghikas (Bass, Vocals, Guitar, Violin, Computer, Keyboards) und die Berlinerin Berit Immig (Keyboards, Vocals). Kritiker haben The Chap als Mischung von Talking Heads und Monty Python beschrieben. Beim Genuss ihres Live-Programms kommt man allerdings zu der Erkenntnis, dass dieses zu kurz greift. Auf der Grundlage eines flippigen Elektropops haben die vier abgefahrenen Musiker stilistisch eine Menge mehr zu bieten. Bei “Ethnic Instrument” gibt es dann schon mal einen kleinen Trip mit Augenzwinkern in die Weltmusik, “We Work In Bars” besticht durch einen starken Satzgesang.

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Eleni Mandell und Sylvie Lewis – 2 Ladies from California in der naTo Leipzig

ema1 Die Rezension vom 17.01.2013

Aus dem sonnigen Kalifornien sind zwei gestandene Singer Songwriterinnen in das winterliche Leipzig gereist, um hier ihre Europatournee zu starten. Den Beginn macht die aus London stammende Sylvie Lewis, die sich mit akustischer Gitarre und Ukulele begleitet. Ihr sehr persönlicher und eher unspektakulärer Auftritt zeigt eine erstaunliche Bandbreite. Sylvie Lewis ist offen für die  amerikanische Folktradition, Ausflüge in Richtung Chanson, Vaudeville oder Gospel gehören aber auch zu ihrem Repertoire. Abgerundet wird ihre Performance von ihrer angenehmen Stimme. Eleni Mandell aus Los Angeles ist eine bekennende Verehrerin von Tom Waits, dessen Einflüsse bei einigen ihrer Titel deutlich hörbar sind. Sie verzichtet auf musikalische Begleiter, abgesehen von einigen Stücken, bei denen sich Sylvie Lewis zu ihr auf die Bühne gesellt. Stimmlich bewegt sie sich im Raum zwischen einem etwas rauchigen Timbre und sehr klarer Tongebung bei eher poppigen Songs.

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John Cale – Ein seltener Gast

jc1 Die Rezension vom 25.02.2013 in der Peterskirche, Leipzig

Der Waliser Musiker, Komponist und Produzent John Cale ist in Deutschland nicht gerade ein regelmäßig tourender Gast. Um so faszinierender ist es, seine Auftritte, ob solo oder mit Band, verfolgen zu können. Zudem hat er seine Fans mit seinem neuen Album “Shifty Adventures in Nookie Wood” nach siebenjähriger Wartezeit überrascht. Es würde den Rahmen sprengen, alle Stationen seines Lebenswerkes zu würdigen, dessen bekanntestes Kapitel die Zugehörigkeit zur Gründungsformation der revolutionären Velvet Underground sein dürfte. Der Grundtenor seines musikalischen Schaffens, egal ob purer Rock´n´Roll, Ballett- und Filmmusiken oder diverse Crossover-Projekte, ist im Wesentlichen von einem melancholischen, düsteren, manchmal sogar aggressiven Sound geprägt.

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Mono – Wie ein Soundtrack im UT Connewitz Leipzig

mom1 Die Rezension vom 10.11.2012

Der heutige Abend im UT Connewitz steht ganz im Zeichen des Postrock. Mono, die Protagonisten des Events, haben deshalb jeffk aus Leipzig als Support angeheuert. Und damit haben sie eine gute Wahl getroffen. Das Trio lässt sich nicht lange bitten und nach einigen Sekunden laufen sie auf voller Betriebstemperatur. Stilistisch offenbart sich Postrock als breites Spektrum zwischen Sigur Roos und Mogwai. Jeffk ist darin stilistisch am ehesten vielleicht mit den amerikanischen Caspian vergleichbar. Sie kombinieren ihre Gitarrenwände mit Loops und anderen elektronischen Effekten. Die 2000 in der japanischen Metropole Tokyo gegründeten Mono verkörpern einen gänzlich anderen Musizierstil. Zwar wird auch hier in der für den Postrock typischen Art und Weise mit der musikalischen Dynamik gespielt. Sie spielen hauptsächlich Titel aus ihrem aktuellem Album “For My Parents” und dessen Vorgänger “Hymn To The Immortal Wind”. Mono, das sind sein Gründer Takaakira Goto (EGitarre/ Glockenspiel), Tamaki Kunishi (E-Bass/ Glockenspiel), Yasunori Takada (Schlagzeug/Perkussion) und Yoda (E-Gitarre/ Glockenspiel). Sie starten mit “Legend”, das wie alle anderen rein instrumentalen Stücke auch als Soundtrack für einen Film über japanische Landschaften laufen könnte.

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3 Brave Souls feat. Dwight Trible – Unter der Haut im Quasimodo Berlin

3BS1 Die Rezension vom 07.12.2012

Um 1970 war der RIAS-Treffpunkt für viele Jugendliche aus der DDR eine der von offizieller Seite nicht gerade gerne gesehenen Möglichkeiten, sich über aktuelle Entwicklungen in der internationalen Pop- und Rockwelt zu informieren. In den Sendungen wurden auch immer wieder Veranstaltungstipps zu diversen Konzerten gegeben. Hier tauchte an exponierter Stelle der Name eines Clubs in der Berliner Kantstraße namens Quasimodo auf und weckte den zu dieser Zeit etwas unrealistischen Wunsch, in dieser Location einmal live eine der damals angesagten musikalischen Attraktionen erleben zu können. Kurz gesagt, das Quasimodo hatte auch im Osten einen gewissen Kultstatus. Das Quasimodo ist seit Ende der 1920er Jahren eine Institution in Sachen Jazz, im damaligen Delphi-Palast konnten die Swingtänzer dort ihrer Leidenschaft frönen. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden im Delphi-Keller unter provisorischen Bedingungen wieder Konzerte veranstaltet, ab ca. 1967 lief der Laden unter dem Namen “Quartier des Quasimodo” und hatte eine Vielzahl von Stars aus der Jazz und Rockszene zu Gast. Davon künden auch viele Fotos an den Wänden des behaglichen Ortes.

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Moon Duo sowie Siena Root in der Skala und bzw. im Absturz Leipzig

sir1 Die Rezension vom 09.11.2012

Wie es der Zufall will, hat die Leipziger Konzertszene an diesem Abend an zwei verschiedenen Spielorten Bands parat, die gleichermaßen zu einem Besuch verlocken. Da die Anfangszeiten nicht unbedingt identisch sind, heißt es, eine kleine Hetzjagd auf sich zu nehmen, um möglichst wenig zu verpassen. Der Abend beginnt in der Skala, die ihren Betrieb glücklicherweise wieder aufgenommen hat. Der Opener, Camera aus Berlin hat leider eine kleine Verspätung und muss deshalb seinen Gig auf zwei Titel reduzieren. Aber Timm Brockemann (Keyboard), Franz Bargmann (Guitar) and Michael Drummer (Drums) spielen ihren Krautrock  derart intensiv, dass die Zuhörer voll auf ihre Kosten kommen. Das Trio, dem besondere Affinitäten zu den Veteranen Michael Rother und Dieter Moebius nachgesagt werden, bevorzugt einen  ungeschliffenen Stil, der an frühe Liveaufnahmen von Kraftwerk erinnert. Besonders hervorstechend ist das kraftvolle, wuchtige, mit reduziertem Equipment erzeugte Schlagzeugspiel mit beinahe hypnotischer Wirkung. In Berlin haben sich Camera einen gewissen Bekanntheitsgrad durch spontane Auftritte in S- und U-Bahnstationen und auf der Straße geschaffen. Beim Moon Duo begegnet uns mit Erik "Ripley" Johnson (Guitar/Vocals) ein alter Bekannter, der mit den Wooden Shjips unlängst auf der Hinterbühne des Centraltheaters zu erleben war. Mit seiner (nicht nur) musikalischen Partnerin Sanae Yamada (Keyboards/Vocals) hat er seinen Lebensmittelpunkt aus der ehemaligen Hippie-Hochburg Haight Ashbury in San Francisco nach Arizona verlegt und betreibt das Projekt Moon Duo. Ähnlich wie bei den Wooden Shjips liegt der Schwerpunkt beim Psychedelic Rock. Zur Präsentation ihres neuen Albums “Sleepwalker” gehören natürlich auch die passenden flirrenden Visuals. Anders als bei den Wooden Shjips ergehen sich die beiden Musiker weniger in ausgedehnten Improvisationen sondern bevorzugen kurzes, eingängiges Songmaterial, mit dem sie ihr rauschartiges Flair koppeln. Bei geschlossenen Augen kann man spüren, wie sich die Musik unaufhaltsam ins Gehirn windet. Vielleicht kommt der Begriff “Ohrwurm” aus dieser Ecke. Wer diesen außergewöhnlichen Auftritt nicht erleben konnte, kann sich bei Youtube einen vom Sender KEXP aus Seattle aufgezeichneten Set des Duos in bester Qualität reinziehen. Es ist spät geworden, Zeit, sich auf den Weg zum Absturz in die Südvorstadt zu machen.

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PICTURESQUE – eine choreografische Installation von Mario Schröder im UT Connewitz Leipzig

rmlogo Die Rezension vom 25.12.2012

Das UT Connewitz feiert am zweiten Weihnachtsfeiertag seinen 100. Geburtstag und ist das älteste Lichtspielhaus der Stadt Leipzig – ein würdiger Anlass, die Reihe des Leipziger Balletts “Tanz in den Häusern der Stadt” im Union-Theater stattfinden zu lassen. Ein Film findet Ausdruck in der Produktion von bewegten Bildern, der Tanz zeigt auf Musik ausgeführte Körperbewegungen und beide Kunstformen sind sich in PICTURESQUE begegnet. Die Zuschauer saßen nicht wie üblich auf hintereinander aufgestellten Stuhlreihen, sondern verteilten sich sitzend und zum größten Teil stehend im Raum. Die Bewegungsfläche für die Akteure war auf der Bühne vor der Kinoleinwand und auf einem breiten schwarzen Streifen im Zuschauerraum, die Filme wurden direkt auf die Leinwand und auf die Seitenwand projiziert. Der Film zeigt Straße und Eingang des UT Connewitz – zu betont rhythmischer Musik (im Programmheft wird nicht mitgeteilt, welche Musik im Verlauf des ganzen Abends vertanzt wird) begegnen sich Tänzerinnen und Tänzer im Raum, begrüßen sich, nehmen Kontakt auf und vertreiben sich die Zeit. Im Film Bilder der Stadt Leipzig – im Raum ist Breakdance angesagt.

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Schuld und Sühne in der Skala Leipzig

rmlogo Die Rezension vom 10.10.2013

Die “Schuld und Sühne“-Inszenierung von Martin Laberenz setzt hautnah am Publikum ein. Mit einer Fressorgie vor geschlossenem weißem Vorhang, deren Sinn mir verborgen blieb,  wird das Triple Raskolnikow (Manolo Bertling, Edgar Eckert, Sebastian Grünewald) eingeführt. Linda Pöppel und Birgit Unterweger (Sonja Marmeladow, Ermittelnder Staatsanwalt, Raskolnikows Schwester) vervollständigen das mit viel Spaß, Leidenschaft und Energie spielende Ensemble. Allein Ingolf Müller-Beck (Swidrigailow) vermag leider nicht zu überzeugen. Dies ist schade, denn die Figur Swidrigailow ist der von Martin Laberenz am interessantesten entwickelte Charakter des dreistündigen Abends. Die zunächst bespielte Bühne ist ein white cube, die Zuschauer sehen in ihn hinein wie in einen großen Guckkasten.

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